Die Mutter weiß von nichts. Sie hat keine Ahnung, was das Internet ist und auch nicht, dass Sue, ihre Tochter, eine kleine Berühmtheit in diesem Internet ist. Die Mutter weiß noch nicht einmal, wie man Internet schreibt. Sie lebt in Ostafrika, fern vom "globalen Dorf" und gehört zu jenen vierzig Prozent auf dem Kontinent, die nicht lesen und schreiben können. Von den Möglichkeiten des weltweiten Netzes ist sie ausgeschlossen, wie so viele Frauen in Afrika. Denn von den weltweit rund 800 Millionen Analphabeten sind die meisten afrikanisch und weiblich.

Ihre Tochter Sue Jamii, Vorzeige-Bloggerin aus Kenia, hat eine Dorfschule und später die Universität in der Hauptstadt Nairobi besucht. Sie hat ein Handy, einen Internetanschluss und ist mit der Welt verbunden. Sie ist Teil einer neuen Generation, die zwar noch in einer Nische der Gesellschaft aufwächst, die aber immer größer wird. Sie leben abseits afrikanischer Traditionen und Stämme, mit dem Laptop, einer E-Mail-Adresse, einem Facebook-Profil. Die meisten sind jung, engagiert, ein bisschen opportunistisch, ein bisschen verrückt.

Die Kenianerin Sue fotografiert auf den Straßen Mode für ihr Blog "Koranteng". Aus Ghana schreibt sie über gesellschaftliche Unterschiede und neue Musik.

Noch vor ein paar Jahren waren nur einige wenige Kenianer regelmäßig im Internet, heute sind es knapp acht Prozent der Bevölkerung. Das ist viel, denn Anschlüsse sind in Afrika nur in den Städten vorhanden. Und teuer. Gleich mehrere Gräben teilen deshalb die Gesellschaften: Zwischen Stadtbewohnern mit Web-Anschluss und Landbevölkerung ohne. Zwischen Armen, denen das Geld fehlt und Reichen. Zwischen Männern und Frauen.

Den wichtigsten Zugang zum Internet bietet in Afrika die Schule. Sie entscheidet, ob jemand an den Informationen im Netz teilhaben kann, an den Möglichkeiten zur Meinungsäußerung und an der internationalen Gemeinschaft. In Uganda beispielsweise, Kenias Nachbar im Westen, sind deshalb weit über zwei Drittel der Internet-Nutzer männlich. Mädchen dürfen seltener zur Schule gehen als Jungs.

Verschiedene Organisationen nehmen sich des Problems an. "Flame" hat in einem Projekt versucht, eine Lobby für surfende Frauen zu sein, "WomanAction" will Frauen vernetzen, sodass sie sich gegenseitig helfen und austauschen. "Femnet" macht auf die Rechte der Frauen aufmerksam. Wichtigstes Medium für sie alle: das Internet. Auch die Vereinten Nationen legen in der "Economic Commission for Africa (ECA)" immer wieder Programme auf, die Frauen im Umgang mit dem Internet schulen.

Das paradoxe: Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern könne mit dem Internet noch zunehmen, klagen Entwicklungshelfer. Gleichzeitig wissen sie um dessen Potenzial. Unter anderem zur Weiterbildung, gerade von Frauen. Und in Diktaturen, auch im autokratisch geführten Kenia, ist das Internet die einzige Möglichkeit, Meinungen offen zu äußern und auszutauschen.