Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) taucht sie wieder auf: die Vision des vollautomatischen Haushalts. Vernetzte Waschmaschinen und Kühlschränke, die per Knopfdruck die Hausarbeit übernehmen, einkaufen und wenn alle schlafen, das Licht ausmachen.

Wir sind im Ausstellungsbereich "homeAppliances@IFA". Hier spiegelt sich in dem polierten Ceranfeld des Herdes nicht etwa die eigene Nase, sondern das Browser-Fenster, um dem Hobbykoch neue Rezepte vorzuschlagen. Der Hausgerätehersteller Miele bietet mit "Miele@home" ein System, mit dem sich Backöfen, Waschmaschinen und andere Geräte über eine zentrale Kontrolleinheit steuern lassen. Bei "mecaHome+" der Firma Metz behalten Kontrollfreaks die Temperatur im Weinkeller, das Geschehen im Kinderzimmer und die Fensteröffnungswinkel immer im Blick und können dank Fernbedienung eingreifen. Schaltzentrale ist der HD-Fernseher. Praktischer Nutzen: Die Pizza brennt nicht mehr an. Der Backofen signalisiert dem DVD-Player, dass die Pizza fertig ist, der Spielfilm stoppt: Nur aus dem Ofen holen muss der Zuschauer sie noch immer selbst.

Als "absolute Neuheit" stuft die Software-Initiative Deutschland (SID) ein, dass nun auch das Smartphone als zentrale Fernbedienung der Medien- und Haustechnik zum Einsatz kommt. Ihre Vision: "Der Verbraucher wird mit seinem Smartphone künftig alle Funktionen zu Hause oder von unterwegs steuern. Beleuchtung, Musik, Video, Fernsehen, Babyphone, Gartenbewässerung, Alarmanlage und vieles mehr werden per Knopfdruck auf dem Smartphone kontrolliert." Fragt sich nur, ob er das will.

Geschwärmt wurde von solch vernetzten Häusern schon vor Jahren. Endlich aber habe sich in Europa ein Standard für die ganzheitliche Steuerung der Gebäudetechnik durchgesetzt, jubiliert Miele über den KNX-Standard. Die Daten reisen dabei durch eine eigens zu installierende Leitung oder durch das Stromnetz vom Haarfön zum Waffeleisen. Vermutlich aber hat es bislang nicht so sehr an einem einheitlichen Standard gefehlt, um dem Netzhaus zum Durchbruch zu verhelfen, sondern vielmehr am Willen der Verbraucher.

"Der vernetzte, teilweise automatisierte und ferngesteuerte Haushalt, das Smart Haus, gehört zu den großen Innovationsthemen dieses Jahrzehnts", schrieb einst das Fraunhofer Magazin. "Nach einer Prognose von Datamonitor sollen in den nächsten vier Jahren über 20 Millionen europäische Haushalte mit solcher Technik ausgestattet werden." Das war 2001.

Und was ist eigentlich aus der Familie Steiner aus Hünenberg geworden? Vor Jahren geisterte sie durch alle Depeschen, weil sie in einem der ersten Smart Homes wohnte, und die Welt ihnen auf www.futurelife.ch dabei zusehen durfte. Die Steiners wohnen immer noch da. Der letzte Medieneintrag auf der Webseite allerdings ist aus dem Jahr 2006.

"Vernetzte Häuser werden von vielen Bauherren noch skeptisch als teure Spielerei ohne praktischen Nutzwert betrachtet", gibt auch Klaus Jung zu. Er ist Geschäftsführer des Fachverbandes Installationsgeräte und -systeme (ZVEI).