Wohl auch deswegen sind die Diskussionen, die einer Löschung vorangehen, mit das "ruppigste", was es bei Wikipedia zu sehen gibt. Die zu "Fefes" Blog beispielsweise ist längst länger als der eigentliche Text es je war.

Außerdem ist die Löschdebatte voller Vorwürfe und Beleidigungen. Da müssen Mitdiskutanten "grob kotzen", es wird sich "verletzte Eitelkeit" unterstellt, als "Hanswurst" beschimpft und wider eine "wilde Meute gesetzloser Hacker" gewettert, die versuchten, Wikipedia zu beeinflussen. Überhaupt sagt die Diskussion viel über das Netz- und das Lexikonverständnis einiger Wikipedianer aus. Nutzer "Weede" beispielsweise schreibt: "Blogs halte ich als nicht geeignet für einen Enzyklopädie-Artikel. Wer garantiert mir, dass ein Blog morgen noch existiert und in etwa seine im Artikel beschriebenen Eigenschaften beibehält?" Solche Einträge gibt es einige.

Für ein Projekt, das einst angetreten ist, die Vorteile des Netzes in einem allen nutzenden Gebilde zu bündeln, lässt sich nur konstatieren, dass irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein muss. Dabei ist es nicht die Debatte selbst, die verwundert, sie kann Wikipedia als Ganzes nur nützen und besser machen. Es sind der Ton und die Härte, mit der sie ausgetragen wird.

Im Netz selbst führt das Ganze abwechselnd zu Gelächter, zu Kopfschütteln, zu Beifall oder auch zu Wut.

Inzwischen ist der Streit so eskaliert, dass sich der Unterstützverein Wikimedia Deutschland genötigt sah, sich zu äußern. Außerdem beraumte er für den 5. November in Berlin gar ein Treffen im echten Leben an, bei dem über die einzelnen Positionen debattiert werden soll. Wohl eine gute Idee, kann man sich bei solchen Begegnungen doch in Erinnerung rufen, dass auf der anderen Seite auch nur Menschen sind und keine gefühlslosen Computer.