Tippt man ein Suchwort bei Google ein, schlägt die Suchmaschine ähnlich lautende Sätze vor, nach denen besonders häufig gesucht wurde. Die Erweiterung heißt Google Suggest, die Reihenfolge der Vorschläge richtet sich nach lokalen Kriterien und der Zahl der Suchen, und sie zeigt auch die zu erwartende Trefferzahl.

An den Suchbedürfnissen der Menschen lässt sich einiges ablesen, auch was den Stand der deutschen Einheit betrifft. So unterscheidet sich immer noch deutlich, wonach Ost- und Westdeutsche im Netz suchen. Die Suchanfragen lassen allerdings wenig Ossi- oder Wessifeindlichkeit erkennen. Und schließlich mag im Kampf der Systeme zwar der Kapitalismus gesiegt haben, dafür führen die Ostdeutschen in Liebesdingen.

Die gute Nachricht zuerst: Nach "Die Mauer muss weg" suchen deutlich mehr Menschen und landen dann bei 787.000 Treffern als "Die Mauer muss wieder her", was nur zu der knappen Hälfte an Treffern führt.

Tippt man "Ossis sind..." vervollständigt Google am häufigsten mit "...doof". Nach "Ossis sind die besten" wird am zweithäufigsten gesucht, und dafür ist die Trefferzahl zehn Mal größer. Erstaunlich: Am dritthäufigsten wird nach "Ossis sind besser im Bett" gesucht, und diese Suche führt immerhin auch zu 24.000 Treffern. Die größte Trefferzahl indes liefert "Ossis sind anders". Man kann sich Google hier nur anschließen, das für" Vielfalt" am häufigsten die beiden Wendungen "Vielfalt tut gut" und "Vielfalt als Chance" ausspuckt.

Zwar liefert die Suche nach "Vorurteile gegen Ossis" immerhin 19.500 Treffer. Aber das wird von "Vorurteile gegen Bayern" mit 173.000 Treffern bei weitem in den Schatten gestellt. Anscheinend, das sei aber auch erwähnt, gibt es genügend Menschen, die nach der Wendung "Ich hasse Ossis" suchen. Die vergleichbare Wendung "Ich hasse Wessis" findet sich nicht unter Googles Suchvorschlägen.

Schaut man einmal genauer, welche Regionen in ihren Suchen den Begriff "Ossis" besonders häufig verwenden, so finden sich unter den Suchregionen allerdings fast nur ostdeutsche Bundesländer. Was zumindest darauf hindeutet, dass die hohe Zahl der Suchanfragen mit dem Wort "Ossis" eher von Ostdeutschen stammt, die im Netz nachlesen wollen, was man über sie denkt, als dass Westdeutsche ihre Vorurteile im Netz bestätigt wissen wollen.

Ostalgie scheint auf der anderen Seite weit verbreitet. Fängt man eine Suchanfrage an mit "Die DDR war..." liefert Google die Wendungen: "Die DDR war Teil meines Lebens" (78.500 Treffer) gefolgt von "Die DDR war gut" (404.000 Treffer).

Zur inneren Einheit würde auch gehören, dass man sich für die gleichen kulturellen Inhalte interessiert. Bei Google Trends kann man sich angucken, in welchen Regionen besonders häufig nach bestimmten Begriffen gesucht wird. So liefert die Suche nach "Michael Jackson" ausschließlich Spitzenwerte in den Bundesländern der ehemaligen BRD: Am häufigsten nach ihm gefahndet wird in Hessen, gefolgt von Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen.

Anders sieht es aus bei den ostdeutschen "Puhdys": Unter den 10 häufigsten Suchen finden sich ebenfalls aussschließlich westdeutsche Bundesländer. Dabei ist den Ostdeutschen "Musik" durchaus wichtig. Der Begriff wird hier viel häufiger gesucht als in Westdeutschland. Gleicher Versuch beim Fernsehen: "Tatort" versus "Polizeiruf". Tatsächlich: Während der "Tatort" unter den Top-Ten-Suchstandorten ausschließlich westdeutsche Bundesländer aufweist, geht der Sieg für den "Polizeiruf" nach Ostdeutschland. Hier liegen die Top-6-Such-Standorte.

 

Auch bei der Suche nach "Liebe" liegen die Ostdeutschen vorn: Mecklenburg-Vorpommern führt die Liste an vor Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Nach "Solidarität" verlangt es ihnen ebenfalls häufiger, außer Berlin stehen an der Stelle 1 bis 5 ausschließlich ostdeutsche Regionen, gefolgt von Bremen. Dagegen suchen die Westdeutschen viel häufiger nach "Gott". Erst an Platz 9 taucht mit Mecklenburg-Vorpommern das erste ostdeutsche Bundesland auf. Während "FKK" eher ein westdeutsches Thema zu sein scheint, führt "nackt" fast nur in Ostdeutschland zu Treffern. Bei der Suche nach "neues Auto" gleichen sich die Suchanfragen allerdings an.

Beim Konsum scheinen die Bundesländer einig zu sein. "Kaufen" führt zu ähnlich hohen Zahlen in allen Bundesländern.

Im Netz hat der Sozialismus ohnehin schon lange verloren. Nach "Kapitalismus" wurde in Deutschland am Samstag, dem 7. November ungefähr doppelt so oft gesucht wie nach "Sozialismus". Mit gut 2,5 Millionen zu 1,7 Millionen überwiegt er auch in den Suchergebnissen. Noch deutlicher geht die Suche nach "Marktwirtschaft" und "Planwirtschaft" aus: 1,6 Millionen zu 276.000 Treffern. Wobei die Ostdeutschen die Systemfrage noch deutlich mehr zu beschäftigen scheint, denn sie führen bei allen vier Begriffen unter den Top-5-Suchregionen.

Nach "blühenden Landschaften" sucht im Netz übrigens niemand mehr. Oder jedenfalls ist die Zahl so gering, dass Google Trends sie nicht auswerten kann.