Links setzen zu können, ist sehr viel mehr als nur eine technische Fähigkeit des Internets. Verlinken ist ein Recht. Ein Link macht gleichberechtigte Anmerkungen möglich. Er ist Motor der Link-Wirtschaft, die Medien am Leben erhält. Er ist ein Werkzeug, um Verantwortung zu übernehmen. Er ist der Kern der Idee der freien Rede im Netz.

Trotzdem hat die News Corporation einen Nutzen von ihrer Drohung, Links zu bekämpfen und ihrem Versuch, den britischen Nachrichtenaggregator NewsNow davon abzuhalten, auf die Zeitungsseiten von Murdochs Konzern zu verlinken.

Es stimmt, das Internetprotokoll macht es leicht, Crawler von Suchmaschinen oder Aggregatoren zu blockieren; es genügt, auf dem Server in den Abschnitt "robots.txt" eine Zeile Code zu schreiben. Und das Argument von News Corp hinsichtlich NewsNow macht vor diesem Hintergrund Sinn: dass nämlich NewsNow für sein Angebot Geld verlangt und nicht kostenlos ist wie ähnliche Dienste von Google News oder Daylife (wo ich – Offenlegung – Partner bin).

Aber NewsNow hat nicht ohne Berechtigung zurückgeschlagen und eine Kampagne namens right2link.org gestartet, um Links zu verteidigen: "Verlinken ist keine Form des digitalen Diebstahls", sagt NewsNow-Gründer Struan Bartlett in einem Videokommentar auf der Seite. Mittels Schlagzeilen zu verlinken, ergänzt er dort, "ist keine wesentliche Wiedergabe des geistigen Eigentums einer Zeitung, es ist also eine vollkommen legale Nutzung".

Völlig richtig. Verlinkung ist kein Privileg, das derjenige auf den verlinkt wird, kontrollieren können sollte – genau wie Politiker nicht entscheiden sollten, wer oder wer nicht ihre Aussagen zitieren darf. Die Bewährungsprobe ist auch nicht, ob der, der den Link setzt, Gebühren verlangt (Murdochs Zeitungen werden Gebühren erheben und sie verlinken). Die Bewährung ist, ob das, was verlinkt wird, öffentlich ist.

Wir in den Medien tendieren dazu, das Internet mit unseren Augen zu betrachten. Aber das Internet ist keine Zeitung und kein Fernsehsender. Es ist vielmehr, wie Doc Searls, der Autor des Cluetrain Manifests argumentiert, ein Ort. Stellen Sie es sich als einen öffentlichen Park vor. Bei dem niemand aufgrund einer Verbindung zu einer Religion, einer Rasse ... oder eben zu einem Aggregator ausgeschlossen werden kann. "Linken", sagt NewsNow-Gründer Bartlett, "ist eine allgemein übliche Annehmlichkeit."

Ich fürchte, was hier wirklich in Gefahr ist, ist die Doktrin der Offenheit, von der Journalismus und eine informierte Öffentlichkeit abhängig sind. (Anmerkung: In meinem Entwurf für diesen Text hatte ich "publicness" geschrieben. Da das Wort in keinem Wörterbuch vorkommt, wurde es redigiert und zu "openness" geändert, Offenheit. Ich hätte es vielleicht besser als "the public", die Öffentlichkeit", bezeichnen sollen.)

Sichtbar ist das beispielsweise in der Debatte um Googles Dienst "Streetview", der Bilder von Gebäuden macht und dabei auch von Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt vor ihnen aufhielten. Einige argumentieren, diese Bilder verletzten ihr Recht auf Privatsphäre. Aber sie befinden sich dabei in der Öffentlichkeit. Was sie dort tun, ist somit ebenfalls öffentlich.