Ausgerechnet die Social-Media-Redakteurin der New York Times, Jennifer Preston, hat in ihrem Twitter-Account Informationen weitergeleitet, die sich rasch als falsch erwiesen: Die Fluglinie American Airlines habe angeboten, Ärzte und Pflegepersonal kostenlos nach Haiti zu fliegen. Dazu eine Telefonnummer. "Lektion gelernt" musste Preston kurz darauf twittern. "Gebe keine ungeprüften Informationen weiter." Immerhin hat sie fast 20.000 Follower, also Menschen, die ihren Tweet lesen. Sie war offensichtlich nur eine von vielen, die diesen Fehler gemacht haben. Auch Stunden später wurden die Botschaft und die Warnungen vor diesem "Hoax", also einer bewussten Falschmeldung, noch bei Twitter verbreitet. 

Es geht auch anders: Das Bündnis zahlreicher Hilfsorganisationen "Aktion Deutschland hilft" schickte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen Spendenaufruf per Twitter: SMS-Spende: Sende HAITI an 81190 und hilf den Erdbebenopfern mit 5 Euro Pls RT. Die Aufforderung "Pls RT", "please retweet" oder "bitte weiterschicken", kam offensichtlich an: Zahlreiche Twitterer schickten die Botschaft weiter. Auch auf den Plattformen StudiVZ und MeinVZ wirbt das Bündnis um SMS-Spenden. Von den fünf Euro gehen nach Angaben von Thilo Reichenbach, Online-Fundraiser von ADH, 4,83 Euro an die Hilfsorganisationen.

Erstmals getestet wurde das Spendensammeln in sozialen Netzwerken in kleinem Rahmen nach dem Erdbeben in Indonesien im September 2009. Da war es ein Aufruf auf dem Edelprofil von StudiVZ. Für die Haiti-Aktion rechnet Reichenbach noch vorsichtig mit Einnahmen von "mehreren Tausend Euro". Er sieht es als gute und vor allem schnelle Möglichkeit, Spenden einzuwerben. Über Social-Media-Kanäle sollen besonders jüngere Leute erreicht werden. Denn laut Deutschem Spendenrat sind mehr als 50 Prozent der normalen Spender in Deutschland über 60 Jahre alt.

Allerdings kursieren im Twitter-Netzwerk derzeit Tausende Spendenaufrufe wie diese: "HELP HAITI just TEXT to 501501 to donate $5.00 #Haiti". Der Wille hinter diesem Spendenaufruf mag ein guter sein, doch kann man nur davor warnen, der Bitte zu folgen. Es ist nicht erkennbar, an wen die fünf Dollar gehen, die nach einer entsprechenden SMS an diese Nummer von der Telefonrechnung abgebucht werden. Noch dazu, da das entsprechende Stichwort fehlt.



An den Tweets des Musikers Wyclef Jean – der darum bittet, das Wort "Yele" an die Nummer 501501 zu simsen – ist dank des Links zu der Organisation Yele.org wenigstens erkennbar, an wen das Geld gehen könnte. Laut einem Blog der Los Angeles Times hat der Aufruf binnen eines Tages 400.000 Dollar erbracht. Twitter ist zwar schnell, bietet aber wenig Platz für Informationen.
Genau die sind aber nötig, wenn man erfahren will, ob die Organisation dahinter mit dem Geld etwas anfangen kann oder es überhaupt will.

Selbst wenn die Hilfsorganisation seriös ist: Nicht bei jeder ist das Geld gut angelegt. Schnell und gezielt helfen können bloß jene, die das Land kennen und sich dort bereits engagiert haben. Guter Wille genüge nicht, um Gutes zu tun, schreibt Saundra Schimmelpfennig in ihrem Blog über Hilfsleistungen. Explizit warnt sie davor, selbst Geld und Güter zu sammeln, ins Krisengebiet zu fahren, um sich als Helfer anzubieten, oder an Organisationen zu spenden, die direkt nach dem Unglück gegründet wurden.

Ulrich Pohl vom Deutschen Spendenrat sieht ein weiteres Problem: Dass insbesondere kleine Organisationen, das gespendete "gar nicht sinnvoll verwenden können". Jetzt wo schnelle Katastrophenhilfe gefragt sei, sei es besser an große Organisationen zu spenden, die das entsprechende Wissen haben. Bei kleineren Organisationen sollten nur jene berücksichtigt werden, die bereits vor Ort eine Infrastruktur haben.  

Auch das Deutsche Sozialinstitut für soziale Fragen hat allgemeine Richtlinien und spezielle fürs Internet veröffentlicht, die helfen können herauszufinden, ob eine Spende sinnvoll und wirksam ist. Das Institut weist ebenfalls darauf hin, dass vor allem zwei Gruppen von Organisationen geeignet sind: große, weltweit agierende mit Experten auch für abgelegene Regionen und kleine, lokale, die sich im betroffenen Gebiet auskennen.