Was tun Menschen nicht alles, um ihre Eigenheime auch im Urlaub bewohnt aussehen zu lassen. Sie zwingen Nachbarn zum täglichen Briefkastenleeren, kaufen programmierbare Rollläden, die automatisch einen Tag- und Nachtrhythmus vorspiegeln oder Zeitschaltuhren, die jeden Abend das Licht angehen lassen. Nicht zu vergessen Bewegungsmelder mit künstlichem Hundegebell.

Bei manchen jedoch ist es umgekehrt. Sie tun einiges, um Gesetzesbrecher auf eine günstige Gelegenheit für ihren nächsten Bruch aufmerksam zu machen. Damit nicht genug: Der moderne Einbrecher sollte keine Mühe haben, den besten Termin für einen Bruch zu planen: Statusmeldungen auf Twitter und Facebook, Handyprogramme wie Foursquare oder neuerdings auch Googles Buzz verkünden: "Pleaserobme.com! (Bitte raub mich aus!)" So heißt jedenfalls eine Webseite, die aktuelle Informationen über verlassene Wohnungen und den Aufenthaltsort der Bewohner unter dem ironischen Titel "Neue Gelegenheiten" auflistet. Die Nachrichten laufen im Sekundentakt ein, nur einbrechen muss der Täter noch selbst.

"Das Haus verlassen und bei Street Bagles eingecheckt" verrät etwa The Mexican aus Brooklyn, New York. Aber weil The Mexican vielleicht nur kurz auf seinem Brötchen kaut, bis er wieder zurück ist, sollte es der Einbrecher doch besser mit bryanhead versuchen: Der hat sich nämlich "soeben am Palm Springs International Airport eingecheckt". Hinter der Seite Pleaserobme.com steckt eine Gruppe namens Forthehack. Sie will mit diesem ernst gemeinten Spaß auf neue Gefahren im Zusammenhang mit sozialen Medien aufmerksam machen.

Die Nutzung von Diensten wie Facebook und Twitter wächst exponentiell. In den vergangenen Monaten ist auch die Zahl der Dienste gewachsen, die dabei Angaben über den Aufenthaltsort ihrer Nutzer verarbeiten. Die britische Zeitung Daily Telegraph zitiert Darran Black, Leiter der Abteilung "Immobilien" des Online-Versicherungsvergleichs Confused.com mit den Worten, er halte es durchaus für möglich, dass dadurch auch die Preise für Versicherungen steigen können. "Wir könnten Gebührensteigerungen von bis zu zehn Prozent für die Nutzer von Sozialen Medien erleben", sagt er. Denn wer den Handy-Dienst Foursquare nutze, teile aller Welt mit, wann er das Haus verlassen habe und dass er sich jetzt an einem bestimmten Ort – einem Restaurant zum Beispiel – aufhalte. Da kann der Einbrecher sogar seinen Kumpel zu Hause lassen, der früher hätte Schmiere stehen müssen. Schließlich wird der Hausbewohner ihm wohl auf gleichem Wege mitteilen, wann die Heimkehr droht.

Theoretisch ist das Risiko nicht. Im vergangenen Jahr traf es den Video Podcaster Israel Hymen, der mit seiner Familie in den Mittleren Westen gereist war und von unterwegs über seine Reiseroute twitterte

We made it to Kansas City in one piece. We're visiting @noellhymann's familiy. Can't wait to get some good video while we're here. :-)
7:19 PM May 24th from web

Wieder daheim musste er feststellen, dass Einbrecher sein Haus ausgeräumt hatten.

"Kriminelle werden immer besser in der Informationsbeschaffung. Sie benutzen Google Earth und Streetview, um ihre Einbrüche mit militärischer Prezision zu planen", sagt Black. "Versicherungsanbieter werden anfangen, das im Schadensfall zu überprüfen." Er hält es für möglich, dass die Assekuranzen künftig einen Versicherungsfall ablehnen, weil sie glauben, dass der Versicherte seiner Sorgfaltspflicht nicht ausreichend nachgekommen ist.

Katja Klopsch vom Kölner Versicherungsunternehmen Asstel sagt, dass es dazu bislang noch keine geltende Rechtsprechung gebe. "Im Schadensfall muss geprüft werden, ob der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt hat, das heißt, juristisch gesprochen, ob er die erforderliche Sorgfalt gröblich, im hohen Grade außer Acht gelassen hat und nicht beachtet hat, was unter den gegebenen Umständen jedem hätte einleuchten müssen." Dann sei etwa die Frage zu beantworten, ob nur die engsten Freunde über die Abwesenheit informiert worden seien oder auch gänzlich unbekannte Personen. Und ob die Adresse des Versicherten bekannt oder leicht herauszufinden war.

 

Laut einer Studie der Sicherheitsfirma Sophos veröffentlichen etwa 41 Prozent der Facebook-Mitglieder private Informationen auf Facebook, darunter Geburtsdatum, Arbeitsplatz und Wohnort. Aber auch wenn man selbst gar nicht in die Verlegenheit kommt, seine Urlaubspläne an alle digitalen Wände zu sprühen – Eltern haften auch für ihre Kinder. In Großbritannien warnte die Versicherungsgesellschaft Legal & General daher bereits ihre versicherten Eltern, dass die Gebühren auch dann steigen könnten, wenn nur die Kinder Mitglied bei Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter wären.

"Wir als Versicherungsunternehmen können nur jedem raten, äußerst sorgsam mit seinen persönlichen Daten umzugehen", sagt auch Klopsch von Asstel. "Es ist außerdem zu überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, gegebenenfalls gegen einen geringen Mehrbeitrag einen Versicherungsschutz zu wählen, in dem automatisch grobe Fahrlässigkeit mitversichert ist."

Legal & General hatten in ihrer Studie "Digital Criminal" unter anderem den ehemaligen Einbrecher Michael Fraser von seinen Erfahrungen berichten lassen. Er bestätigte, dass Einbrecher schon heute soziale Netzwerke nutzten, um Ziele ausfindig zu machen und um die Gefahren für sich zu reduzieren. So ließen sich durch eine längere Beobachtung auf Facebook oder Twitter auch Lebensgewohnheiten potenzieller Opfer studieren. Fotos könnten dabei helfen, Sicherheitsmaßnahmen wie Überwachungskameras zu entdecken, die ein Ziel von vornherein weniger attraktiv machen.

Was lernt man daraus? Man sollte keinen Urlaub machen. Oder überall gefakte Überwachungskameras anschrauben. Oder etwas genauer darüber nachdenken, was man auf welchen Kanälen so postet.