Heute könnte man vieles als redundant erachten. Menschen haben breit Zugang zu Computern, Informationen darüber sind frei zugänglich, Computer sind nicht länger autoritär verwaltet, das Internet ist sogar hochgradig dezentral, viele Hacker sind auch in Abwesenheit einer formalen Ausbildung zu hoch bezahlten Experten geworden.

Allerdings existiert die Hackerideologie weiter. Zum einen, weil einige Artikel wie die beiden deutschen Zusätze ungebrochen relevant sind. Zum anderen sind aber auch die prototypischen Konflikte in größerer Form zurückgekehrt. Die Freiheit der Informationen über Computer ist ein Beispiel. IT-Fachwissen ist heute überall zugänglich. Die Geheimniskrämerei aber ist in der kommerziellen Entwicklung wieder aufgekommen. IT-Firmen müssen notwendig eigene Entwicklung betreiben, wobei das erworbene Fachwissen als Betriebsgeheimnis und Wettbewerbsvorteil geheim gehalten wird. In der Folge gibt es viele Parallelerfindungen und die Entwicklung von IT-Technik wird dadurch insgesamt behindert.

Gegen diese Dynamik hat der Hacker Richard Stallmann eine ideologisch betriebene Initiative ins Leben gerufen: Freie Software. Gemäß dem Hackerparagraphen nach freier Information über Computer hat er eine Community von Entwicklern geschaffen, die ihre Entwicklungsinformationen unter besonderen Copyright-Lizenzen (dem sogenannten "Copyleft") allen anderen Entwicklern zur Verfügung stellt. Entstehende Produkte können verkauft werden, aber das Wissen, das für Forschung und Entwicklung relevant sein könnte, muss frei sein.

Als ebenso konsistent und erfolgreich muss das Bemühen der Hacker um Datenschutz und gegen Überwachung erachtet werden. Wo Informations- und Kommunikationstechnologien sind, ist die Möglichkeit der Überwachung eine latente Option und eine persistente gesellschaftliche Gefahr. Die in Hackerkreisen entstandene Vision der freien Informationsgesellschaft ist ein wichtiger Gegenentwurf dazu, der auf breite gesellschaftliche Akzeptanz trifft. Sie kann außerdem als gelungene Erweiterung bewertet werden. Die Übertragung der Idee der Freiheit der Informationen über Computer auf die Freiheit aller Informationen durch Computer ist eine konsequente und elegante Weiterentwicklung der eigenen Ursprünge.

In anderen Bereichen ist die Weiterentwicklung der Hackerethik schwierig. Zum Beispiel bietet die Frage nach der Art der Freiheit der freien Informationsgesellschaft interpretatorischen Spielraum, der von der amerikanischen und der deutschen Hackerkultur unterschiedlich ausgefüllt wird.

Viele der amerikanischen Alt-Hacker entstammen der Hippie-Bewegung und sind zu Neoliberalen herangewachsen. John Perry Barlow und John Gilmore sind zwei Fälle. Für beide ist "Freiheit" zuerst die Freiheit der Märkte. Ihre Forderungen nach Deregulierungen des Internets wie in der "Kalifornischen Ideologie" sind sozialdarwinistische und technikdeterministische Dokumente eines naiven Kapitalismusverständnis'. Die Industrie soll alles dürfen, in nichts staatlich kontrolliert sein.

Ganz anders die deutsche Hackerkultur. Ihre Ursprünge liegen in den 68er Linken. Der Chaos Computer Club wurde am Küchentisch der Kommune I gegründet. "Freiheit" wird hier als unvermittelte Freiheit des Individuums gelesen, und zwar vor den Kontrollinteressen des Staates ebenso wie vor den Verwertungsinteressen der Industrie. Eine starke staatliche Kontrolle der Überwachungsbemühungen der Industrie ist da durchaus wünschenswert und durch deutsche Hacker ausdrücklich gefordert.