Das ist nicht nur philosophisch problematisch. Wenn kontroverse Eckpunkte sichtbare Positionen in gesellschaftlichen Debatten einnehmen, unterminieren sie die globale Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der für die Orientierung in der digitalen Welt wichtigen Hackerideologie.

Dazu ist positiv hervorzuheben, dass die Community in den genannten Punkten keineswegs einer Meinung ist. Es gibt viele im Großen oder Kleinen abweichende Positionen. Diese Diskordanz sollte möglicherweise stärker nach Außen treten. Der Eindruck einer geschlossenen und in Teilen wenig akzeptablen Ideologieentwicklung könnte dann entkräftet werden. Eine Möglichkeit der Umsetzung wäre die Diversifikation der noch sehr homogenen politischen Gruppierungen. So können die einzelnen Gruppen eindeutig ausgerichtete Programme vertreten, während trotzdem die Vielfalt der möglichen Positionen abgebildet wäre. Diskordanz wäre dann ein allgemeiner Vorteil und kein Hindernis.

Denn klar ist, dass politische Hacker eine wichtige Rolle für eine immer stärker technisch und vor allem informationstechnisch unterlegte Gesellschaft spielen werden. Und für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft ist es nützlich, wenn sich zu komplexen Fragen mit verschiedenen Lösungsvarianten mehrere Positionen konsolidieren, zwischen denen gewählt werden kann. Auch wenn das bedeutet, dass die Ergebnisse von den Wunschzielen abweichen werden. Das wäre gute demokratische Praxis: die konsistente Vielfalt.

Sandro Gaycken ist Technik- und Sicherheitsforscher an der Universität Stuttgart und beschäftigt sich mit Hacking, Datenschutz, Sicherheit und Cyberwarfare. Zu Hackerideologien hat er in seinem neuen Buch "Neue Utopien" geforscht. Er ist seit Jahren politisch in der Hackergemeinschaft tätig.