Die IT-Industrie kann auf einen kräftigen Schub durch das neue Betriebssystem Windows 7 hoffen. Nachdem viele Unternehmen zunächst mit der Einführung von Windows 7 gezögert haben, löst sich nun der Knoten. Das geht aus der Studie „Was bewegt die IT-Entscheider 2010?“ des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. hervor, die am Mittwoch auf der Cebit in Hannover vorgestellt wird. Danach werden im Jahr 2013 schon 77 Prozent der befragten 382 Unternehmen Windows 7 eingeführt haben. Das glücklose Vorgängersystem Vista wird auf nur noch vier Prozent zurückfallen.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird Microsoft heute auf der Cebit in Hannover bekanntgeben, dass auch der Autokonzern Volkswagen auf Windows 7 wechselt. Zunächst sollen bis Mitte 2012 rund 50 000 PC-Arbeitsplätze mit dem neuen System ausgestattet werden. Auch der Versicherer Allianz hat sich dafür entschieden. „Wir gehen direkt auf Windows 7. Vista macht weder aus funktionaler noch aus Kostensicht Sinn, insbesondere wegen der Migrationskosten“, sagt Ralf Schneider, IT-Chef (CIO) der Allianz Deutschland.

Gleiches gilt für Daimler. „Wir kommen von XP und werden Windows 7 als nächstes Betriebssystem einsetzen“, sagt Michael Gorriz, IT-Chef des Autokonzerns. Auch der Flughafenbetreiber Fraport lässt Vista aus, weil es zur Strategie zählt, eine Betriebssystem-Generation auszulassen. „Glücklicherweise passte das zur Einschätzung von Windows 7 versus Vista“, sagt Roland Krieg, CIO von Fraport.

Der sich abzeichnende Boom ist eine gute Nachricht für weite Teile der IT-Industrie. An die Einführung eines neuen Betriebssystems ist in der Regel der Kauf neuer Tischrechner und Laptops gekoppelt. So hat Windows 7 wegen des Erfolgs in den Privathaushalten bereits für wachsende PC-Verkäufe gesorgt. Nach Berechnungen der Marktforscher der Gartner-Gruppe stieg der Absatz von PCs im vierten Quartal in Westeuropa um vier Prozent auf 20,2 Millionen Geräte, das erste Plus seit mehreren Quartalen. Doch die eigentliche Welle steht noch aus: Für die PC-Hersteller sind die Unternehmen mit ihrer großen Zahl an PC-Arbeitsplätzen besonders wichtig.

Zudem kommen bei der Einführung neuer IT-Systeme in Unternehmen IT-Dienstleister zum Zug. „Firmen waren noch nicht bereit zu investieren. Das ändert sich“, sagt Lynn-Kristin Thorenz, Expertin des Marktforschers IDC. Außerdem sind Investitionen in Anwendungen, also Programme, zu erwarten. „Viele Unternehmen haben bei Vista gezögert, müssen jetzt aber modernisieren. Das hilft Windows 7“, begründet Torsten Frankenberger, geschäftsführender Partner bei Droege, die Nachfrage auf Unternehmensseite.