Die Wahrheit kann manchmal wehtun. Der gefragteste Jürgen des Landes heißt mit Nachnamen nicht Klinsmann, auch nicht Trittin oder Rüttgers, sondern Drews. Es ist Jürgen "Ein Bett im Kornfeld" Drews.

Um das herauszufinden, braucht es kein Meinungsforschungsinstitut mehr. Es reicht ein kurzer Blick auf Google. Wer dort etwas ins Suchfeld tippt, bekommt schon ab dem ersten Buchstaben eine automatisch generierte Liste mit Begriffen vorgeschlagen, wonach er wohl suchen könnte. Dabei führt Google genau die Wörter auf, nach denen andere bereits vor ihm am häufigsten gesucht haben. Ein simples "U" reicht aus, um als Suchbegriff "Unser Star für Oslo" vorgeschlagen zu bekommen. So muss man im Idealfall seine Wörter nicht mehr zu Ende schreiben – ein Klick in die Liste genügt.

Das spart Zeit und vermeidet Tippfehler, jubelt das Unternehmen über seine Erweiterung "Google Suggest". Aber sie ist viel mehr. Weil sie zeigt, wofür sich Internetnutzer wirklich interessieren. Die Listen mit den häufigsten Suchanfragen sind oft überraschend, unterhaltsam oder verstörend – und häufig werfen sie ein schlechtes Licht auf die Google-Nutzer.

Über männliche Prominente wollen sie oftmals vor allem eines wissen: Ob diese vielleicht homosexuell sind. Bei vielen Showstars, Fußballern und Rennfahrern schlägt die Maschine inzwischen an erster Stelle die Vervollständigung "schwul" vor. Bei Bundestrainer Jogi Löw steht dieses Suchwort ebenfalls ganz oben, weiter unten in der Liste findet man allerdings auch "Perücke".

Als der Entwickler des Programms, ein junger Stanford-Absolvent, vor sechs Jahren Suggest, was vorschlagen bedeutet, erstmals einer kleinen Testgruppe amerikanischer Google-Nutzer vorstellte, nannte er seine Erfindung einen "Spielplatz, um herauszufinden, was andere suchen, und Dinge zu lernen, von denen du nicht mal geträumt hast". Wer bei Google etwa "Wie geht" eintippt, erhält Suchvorschläge nach Anleitungen für Zungenküsse, Flirttechniken und Geisterbeschwörung. Die Frage "Ab wann" vervollständigt Google automatisch mit "wirkt die Pille" und "ist man Alkoholiker". Und wer "Ist es möglich" eintippt, erhält die Vorschläge "Gedanken zu lesen", "die Schwester seiner Witwe zu heiraten" und "ein Lichtschwert zu bauen".

Einige Ergebnisse geben durchaus "Grund zum Schmunzeln", sagt Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Suchmaschinen-Experte Klaus Patzwaldt sieht Suggest kritischer, weil es nicht nur einen echten Erkenntnisgewinn über die "oft sehr verwunderlichen Interessen der Menschen" gebe, sondern auch das Suchverhalten selbst beeinflusse. Die Vorschlagsliste könne Nutzer dazu verführen, von ihrer ursprünglichen Suche abzulassen und sich stattdessen für Begriffe und Sachverhalte zu interessieren, die von der Mehrheit nachgefragt werden. "Die Tendenz ist klar", sagt Klaus Patzwaldt. "Es geht hin zum Mainstream."