Und plötzlich kam es zur Katastrophe. Bei der größten Online-Konferenz der Republik saß die Internetelite vor einem Jahr ohne WLAN da. Das soll sich nicht wiederholen, wenn sich rund 2500 Blogger, Twitter- und Social-Media-Experten ab Mittwoch in Berlin treffen. Die re:publica 2010 steht unter dem Motto "nowHere". Damit soll der Trend zum Echtzeitweb angedeutet werden, sagt Mitveranstalter Markus Beckedahl. "Wir befinden uns gleichzeitig im Jetzt und Hier und ebenso im Nirgendwo." Das Motto beschreibt aber auch die wachsende Internationalität der re:publica und der Blogger-Szene. Redner aus 30 Ländern, darunter auch aus Entwicklungsländern, sorgen für eine internationale Perspektive.

Bei den 154 Veranstaltungen soll auch diskutiert werden, was das Internet für die Gesellschaft bedeutet. Da gibt es verschiedene Ansichten. "Frank Schirrmacher glaubt, wir verblöden alle", sagt Beckedahl. "An der eigenen Person habe ich das bisher noch nicht festgestellt." Wo es hingeht, was die nächsten Trends sind, das kann wohl auch mit den 230 Experten, darunter bekannte Namen wie Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?"), nicht vollständig geklärt werden. "Die Panels bilden Diskussionen ab, die wir im Internet schon tiefer gehender führen", sagt Beckedahl.

Warum in diesem Jahr dennoch 2500 Menschen den Weg nach Berlin auf sich nehmen? Der Charme der Veranstaltung liege darin, die über Blogs, Twitter und soziale Netzwerke geknüpften Freundschaften auf persönlicher Ebene vertiefen zu können. Beckedahl: "Man kennt die Leute, aber man hat sie noch nie wirklich gesehen. Das macht den Reiz aus." Außerdem würden sich auf der re:publica die Vorreiter der digitalen Gesellschaft treffen.

Das von seiner Agentur newthinking communications und dem Spreeblickverlag veranstaltete Forum spiegelt immer auch die aktuellen Probleme und Themen wider, die im Internet debattiert werden. Bei der ersten re:publica im Jahr 2007 trafen sich rund 700 Blogger und diskutierten darüber, ob und wie mit Blogs Geld zu verdienen sei. In den Jahren darauf folgten Kritik an Alpha-Bloggern wie Sascha Lobo und eine Bestandsaufnahme des Zustands der Blogger-Szene in der Republik. Inzwischen geht es bei den Diskussionen im Friedrichstadtpalast, der Kalkscheune und im Quatsch Comedy Club nicht mehr nur um das Bloggen allein. Die re:publica 2010 widmet sich den sozialen Medien, der digitalisierten Gesellschaft und einer veränderten Medienlandschaft.

Doch die Frage stellt sich, ob damit die wichtigen Themen bereits abgedeckt sind. Die Zahl der Blogger steigt, wo es hingehen soll, scheint jedoch unklar. Noch vor wenigen Jahren galten Ins-Internet-Schreiber als Vertreter einer neuen Journalisten-Generation, da sie schneller als traditionelle Medien auf aktuelle Themen reagieren können. Doch der Trend zum Blogger-Journalismus hat sich nicht durchgesetzt, die Szene gilt vielen höchstens als Ergänzung. Haben die Blogger ihren eigenen Anspruch aus den Augen verloren?

Beckedahl will das so nicht stehen lassen: "Vor allem Journalisten haben Blogger zu Journalisten gehypt", sagt er. Eine Sinnkrise sieht er nicht. Der Großteil wolle sich nur mitteilen und austauschen. Dafür gab es im Jahr 2007 nur Blogs, inzwischen ergänzen Twitter und die sozialen Netzwerke die Möglichkeiten – und verändern die Welt der Internetnutzer.