Hacker haben immer wieder Wege gefunden, das iPhone zu jailbreaken und es dem Besitzer so zu ermöglichen, Programme auf sein Gerät zu laden, die es nicht im App Store gibt. Cydia heißt das Gegenmodell zum App Store, auch dort gibt es kostenlose Handyprogramme und solche gegen Geld. Wer sein iPhone erst einmal "aufgebrochen" hat, kann dort genauso problemlos zugreifen wie im offiziellen Store.

Für die aktuellen Modelle galt ein Jailbreak als schwierig, weil Apple seine Sicherheitsvorkehrungen verbessert hatte . Doch gelang er nun einer Hackergruppe namens DevTeam: Nicht nur das jüngste Modell der iPhone-Reihe, das 3GS, sondern auch der neue Tablet-Computer von Apple, das iPad, lassen sich jetzt "öffnen". Und das, obwohl Apple offensichtlich viel Mühe darauf verwendet hat, die Eindringlinge zu hindern.

Software für das iPhone gibt es eigentlich nur im App Store. Apple entscheidet, was dort über die Ladentheke geht und was nicht. Immer wieder wurden die Zulassungsverfahren für die Programme jedoch als undurchsichtig und parteiisch kritisiert. Größere Aufreger waren etwa Apples Weigerung, Adobes Flash zu unterstützen, die Ablehnung der kostenlosen Telefonie-Software Google Voice oder die massenhafte Löschung von Apps mit erotischem Inhalt .

Wer versucht, seine Kritik an der Produktpolitik Apples zu formulieren, greift dabei gerne auf Analogien zurück. Hier also noch eine: Stellen Sie sich vor, sie kaufen eine Küche und der Hersteller schreibt ihnen vor, wo sie die Stühle und den Mixer dazu kaufen dürfen, wenn sie die Küche auch benutzen wollen. Sie sind sogar dazu bereit, weil die Küche schick ist, die einzelnen Geräte gut miteinander funktionieren, sie ihnen regelmäßig anerkennende Worte von Freunden einbringen, und sie noch nie so gute Pasta bereitet haben. Dennoch können sie, zumindest prinzipiell, den Argumenten ihrer Kritiker etwas abgewinnen, die nicht wollen, dass Firmen ihre Freiheit und Selbstverantwortung derart einschränken.

Jailbreaks also – laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind sie illegal, werden aber von einer ganzen Szene als Freiheitskampf und Sport angesehen. Einen etwas komplizierteren Weg zur Befreiung des 3GS gab es schon länger. Aber nun funktioniert das so problemlos wie noch nie, und für alle Geräte mit der gleichen Methode. Hat man das Gerät an iTunes angeschlossen und die Sofware namens Spirit heruntergeladen, geht alles nach einem Klick auf "Jailbreaken" ganz kurz und schmerzlos. Im Nu ist der braune Cydia -Icon im Menüfenster und der Einkauf kann beginnen.

Spirit ist einfach zu bedienen, kann dafür aber kein Unlock . Wer also sein iPhone mit einem anderen Telekommunikationsdienstleister verwenden will, muss woanders suchen. Dafür ermöglicht der Jailbreak das sogenannte Tethering : So lässt sich das iPhone nicht nur für den eigenen Rechner, sondern auch für das iPad als Modem verwenden.

Da wir gerade beim Knacken sind: Ein findiger iPad Besitzer vollbrachte tatsächlich den Gewaltakt , das Microsoft-Betriebssystem Windows XP auf den Tablet-Mac zu spielen. Außerdem gibt es einige, die sich mit einem Trick von AT&T lösten, dem in den USA für das Gerät vorgeschriebenen Telefonanbieter. Mit Hilfe einer Schere schnippelten sie aus einer T-Mobile Handy-SIM-Karte eine Micro-SIM-Karte und steckten sie ins iPad. Das lief anschließend problemlos, wenn auch etwas langsamer, da kein Zugriff auf das 3G-Netzwerk möglich ist. Der Vorteil: sehr viel geringere Kosten, da der Datenvertrag für T-Mobile in den USA für 10 Dollar erhältlich ist, der für das iPad dagegen mindestens 40 Dollar kostet.

Apple warnt natürlich vor solchen Angriffen. Im besten Fall erlischt dadurch nur der Garantieschutz. Wer also sein Gerät aufgrund eines Defekts einschicken muss, sollte zuvor alles wieder in den Urzustand zurückversetzen. Dass Apple tatsächlich gegen die Besitzer von geöffneten iPhones, gegen den Cydia -Betreiber oder die Hacker selbst vorgegangen wäre, ist bislang noch nicht bekannt geworden. Allerdings wird der Kampf des Unternehmens gegen die ungeliebten Eindringlinge sicher weitergehen. So minimalistisch der Jailbreak-Button bei Spirit auch daherkommt – da steckt schon jetzt viel Tüftel-Arbeit drin, und einfacher wird das in Zukunft sicherlich nicht werden.