Zwei Minuten und 56 Sekunden sind bereits finanziert (Stand: 25. Mai 2010). Fehlen nur noch 88 Minuten und vier Sekunden. Also leider noch der Löwenteil der geplanten 90 Minuten und 1.944.000 veranschlagten Dollar, die der Film Neither the veil nor the four walls nach Planungen der Filmemacher kosten soll. Finanzieren soll ihn die Masse der Zuschauer. Und zwar nicht wie üblich im Nachhinein durch ihren Kinobesuch, sondern vorab. Die pakistanischen Filmemacher wollen ihn frameweise an Investoren vergeben. Und je nachdem, wie viel ein privater Geldgeber spendet, bekommt er dadurch wahlweise das Recht, eine digitale Kopie des Filmes zu ziehen (ab 5 Frames, also einer Spende von 15 Dollar), eine private Filmvorführung mit bis zu 100 Freunden zu veranstalten oder gar eine Gewinnbeteiligung einzustreichen (ab einem Investment von 50.000 Dollar).

Verlage, Autoren, Kulturindustrie: Alle fragen sich derzeit, wie sich in Zukunft noch Geld mit der Produktion von geistigen Inhalten machen lässt. Stärker gegen Tauschbörsen vorzugehen ist der Weg, für den sich die Plattenindustrie entschieden hat . Verlage setzen auf das Leistungsschutzrecht , die Autoren eher auf eine Kulturflatrate . Bedenken gibt es gegen all diese Ansätze. Freiwillige Spenden wären hingegen die Traumlösung. Sie ist getragen von der Hoffnung, dass Menschen Kulturproduktionen durchaus zu schätzen wissen. Und wenn man ihnen eine bequeme Möglichkeit eröffnet, die Arbeit von Künstlern und Programmierern zu honorieren, würden sie das auch tun. Ganz ohne Gesetzeszwang und bürokratische Ungetüme à la Gema oder VG Wort.

Ob das im Fall des pakistanischen Filmes – Drehbeginn soll immerhin noch in diesem Jahr sein – gelingt, sei dahingestellt. Definitiv gescheitert ist hingegen ein Projekt des Argon Verlages . Der wollte die ungekürzte Fassung eines Hörbuchs realisieren, sobald 9000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen wären. Geplant war, den Sprecher Oliver Rohrbeck den Roman Little Brother von Cory Doctorow einsprechen zu lassen und das Audiofile dann für alle zum freien Download ins Netz stellen.

Der Roman Little Brother stand wochenlang auf der amerikanischen Bestsellerliste, die New York Times lobte den Titel als “Selbstverteidigungshandbuch für das Digitalzeitalter”. Die Botschaft: Geschlossene Systeme werden offenen Systemen immer unterliegen. In diesem Fall allerdings unterlag das offene System: In den drei Wochen, in denen der Spenden-Button wie geplant auf der Homepage freigeschaltet war, kam gerade einmal ein Fünftel der benötigten Summe zusammen.

Dabei steht die Gratis-Debatte in der Programmierer-Szene schon ein bisschen länger auf der Agenda, schließlich bekämpfen sich hier die Open-Source-Bewegung und Unternehmen wie Microsoft, die vom Verkauf ihrer Software leben. So hat etwa Mozilla im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass die Entwickler von Add-ons für den Firefox-Browser in den Genuss von Spendengeldern kommen können. Neben dem Download-Knopf für ein kleines Zusatzprogramm heißt es dann etwa "Suggested Donation: $10.00". Die Gabe ist freiwillig.