HTML5 ist in aller Munde. Anfang des Jahres stellte YouTube eine Variante des Videoplayers vor, der auf HTML5 und nicht mehr Adobe Flash basierte. Im April, kurz vor der Veröffentlichung des iPads, sprach sich Apple CEO Steve Jobs in einem offenen Brief an Adobe ebenfalls für den neuen Standard aus. Zur gleichen Zeit gab der Videoanbieter Brightcove bekannt, zu dessen Kunden neben ZEIT ONLINE auch die New York Times zählt, ab sofort alle Videos auch im neuen Format anzubieten. 

Der überraschende Einklang belegt die hohe Nachfrage nach neuen Spezifikationen. Zumal der aktuelle HTML4-Standard seit 1997  existiert, und immer schwieriger mit den neuen Bedürfnissen und Entwicklungen mithalten kann. So schnell sich das Internet weiterentwickelt, die Bausteine verändern sich langsam.

Entwickler freuen sich über die verbesserte semantische Struktur von Webseiten. Kopf- und Fußbereiche lassen sich nun direkt markieren, Bilder beschriften und komplexe Formulare erstellen. Web-Applikationen wie Spiele, Zeichnungen und interaktive Karten sind in Verbindung mit Java Script ebenfalls einfacher realisiert.

Auch die Nutzer profitieren. Der neue Standard ermöglicht, dass Video- und Audio-Inhalte im Browser dargestellt und eingebunden werden können, ohne dass es zusätzlicher Plugins wie Adobe Flash oder Microsoft Silverlight bedarf. Vor allem wer mobil im Netz surft, und wer als Blogger multimediale Inhalte einbinden will, hat künftig leichtes Spiel.

Doch was in der Theorie so harmonisch klingt, muss sich in der Praxis noch beweisen. So hat YouTube zwar einen HTML5-Videoplayer entwickelt, dafür aber den lizenzierten Codec H.264 verwendet. Dieser wird wiederum von den ‚freien’ Browsern wie Firefox und Opera nicht unterstützt. Schon länger schwelt zwischen den Internetgrößen Mozilla, Apple und Google ein Streit über den zu verwendenden Codec für digitale Formate.

(Eine interaktive Grafik, wie weit die unterschiedlichen Browser in Sachen HTML5 derzeit sind, finden Sie hier .)

Aber es gibt Hoffnung, die ausgerechnet vom YouTube-Besitzer Google ausgeht. Kürzlich kaufte das Unternehmen für 106 Millionen US-Dollar den Codec-Hersteller On2, der den freien VP8-Codec entwickelt. Dieser soll unter dem Projektnamen WebM nun zum Standard für HTML5-Video werden – sofern er denn von allen akzeptiert wird. Mozilla und Opera reagierten bereits positiv, Apple hält jedoch weiterhin an H.264 fest.