Rogavi   schreibt , er sei manchmal tagelang nicht zum Arbeiten gekommen. Anfangs habe er sich nur Bilder angeschaut. Dann Videos. Dann war er in therapeutischer Behandlung. Gebracht hat das nichts. "(Bis) zur letzten Sitzung, in der ich darüber gesprochen habe, dass ich Erektionsprobleme bei der Liebe mit meiner Frau bekommen habe, und wo mir plötzlich klar geworden war, dass meine ständigen Pornosessions wirklich eine Sucht sind."

Der 48-Jährige outet sich im Internet-Forum Cyberlord als online-sexsüchtig. Der Schritt in die Öffentlichkeit soll ihm helfen, das Problem endlich in den Griff zu bekommen. Rogavi ist nicht der einzige, der täglich bis zu fünf Stunden Sexvideos im Netz konsumiert.

Pornografische Inhalte stellen den mit Abstand größten Bereich im Internet dar. Bei Google beispielsweise wird häufiger nach "Sex" gesucht, so die Marktforscher von Alexa Research , als nach Games, Reise, Musik, Auto, Wetter, Gesundheit und Jobs zusammen. Rund 37 Prozent aller Webseiten bieten Pornografie. Tendenz steigend. Das hat eine Untersuchung des Software-Unternehmens Optenet ergeben.

Dem Netz die Schuld daran zu geben, führte allerdings in die Irre. Denn Ursache einer solchen Verhaltenssucht genannten Störung ist nicht das Internet. Süchte sind nur ein Symptom dafür, dass die Betroffenen unter tiefer liegenden Problemen leiden und sich Dinge suchen, um sich besser zu fühlen, beziehungsweise um ihr Leben ertragen zu können.

"Ich habe Montag als ersten Schritt sämtliche Filter im Computer hochgefahren und viel über diese Sucht gelesen", schreibt Rogavi in dem Internetforum. Er vermutet, dass er unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leide, "was sich neben einem chaotischen Arbeitsstil und -platz und vielen anderen Dingen auch in Suchtverhalten manifestiert." Und er deutet an, schon früher Beziehungsprobleme gehabt zu haben.

Menschen haben schon immer Mittel und Wege gefunden, ihre Sucht zu befriedigen. "Schuld ist die menschliche Natur", sagt auch Nicolaus Franke vom christlichen Verband Weißes Kreuz, der Pornografiesüchtige betreut. "Aber das Internet ist wie ein Multiplikationsfaktor für egoistisches Sexualverhalten." Ein Verstärker vorhandener Strukturen also.