Es klingt nach schöner neuer Web-Welt: Mit der sogenannten "HyperText Markup Language Version 5", kurz HTML5, könnten in den kommenden Jahren ganz neue Anwendungen im Browser möglich werden. Der Zug in Richtung HTML5 scheint nicht mehr aufzuhalten: Immer mehr Browser unterstützen immer mehr HTML5-Funktionen. 

Die Motivation ist dabei ganz unterschiedlich. Google etwa hofft, mit der eingebauten Datenbankunterstützung Desktop-Software wie Microsoft Office in einigen Jahren den Rang ablaufen zu können. Bei Apple hingegen sieht man HTML5 vor allem als vollwertigen Ersatz zur verhassten (und von iPhone und iPad offiziell nicht unterstützten) Flash-Technik. Mit dieser Technik werden derzeit noch die meisten Internet-Videos dargestellt.

Tatsächlich betont Firmenboss Steve Jobs bei fast jeder Gelegenheit – zuletzt bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen – mittlerweile stünden fast so viele HTML5- wie Flash-Videos im Internet bereit. Das stimmt vor allem deshalb, weil Google mit dem weltweiten Clip-Marktführer YouTube seine Filme längst parallel auch in HTML5 präsentiert.

Doch so rosig, wie mancher Unternehmensführer tut, ist die HTML5-Welt dann doch nicht. So existieren die unterschiedlichsten Implementierungen des vorläufigen Standards. In der aktuellen Version des Browsers Firefox kann man aufgrund von Lizenzproblemen HTML5-Videos nur abspielen, wenn sie in einem freien Videoformat kodiert sind. Apples Safari unterstützt derweil nur den kommerziellen Standard H.264. Google versucht deshalb gerade, einen eigenen, freien Videostandard in den Markt zu drücken, der lizenzfrei wäre.

Auch lässt sich noch nicht sagen, ob die schöne neue HTML5-Welt für die Nutzer nur Gutes bringt. Die Technik liefert nämlich einige Funktionen, die Datenschützer Albträume bereiten. Dazu gehört die erwähnte Datenbankunterstützung: Statt nur kleiner Datenkrümel wie bislang üblich, können Betreiber von Web-Seiten künftig größere Informationsmengen auf der Festplatte des Nutzers ablegen. Google nutzt das beispielsweise für die Offline-Unterstützung bei Google Mail: Ist der Nutzerrechner vom Netz getrennt, wird auf eine lokal abgelegte Kopie des Nachrichtenspeichers zugegriffen.

Die Datenbankfähigkeit von HTML5, die es gleich in mehrfacher Ausführung gibt, lässt sich zum Ablegen sogenannter Dauercookies nutzen, wie der Sicherheitsforscher Samy Kamkar kürzlich demonstrierte. Momentan sind Cookies noch relativ kleine Datenkrümel. Werbefirmen und Website-Betreiber nutzen sie zum Tracking einzelner Computer und zu Statistikzwecken. Sie lassen sich relativ einfach über die Browser-Einstellungen entfernen, was viele Nutzer mittlerweile wissen. Mit HTML5 wird das schwieriger: Der User wird oftmals gar nicht mitbekommen, dass es diesen Speicher gibt und was er enthält. Eigentlich wären die Browser-Hersteller in der Pflicht, darüber aufzuklären.