Noha Atef hat das Gesicht der Frau nie gesehen, deren Mann sie zu retten mitgeholfen hat. Dank Nohas Website Torturepedia war es ihm möglich, diejenigen zu identifizieren, die ihn in einem ägyptischen Gefängnis gefoltert hatten. Damals war Nohas Blog Folter in Ägypten noch kaum bekannt. Heute lesen es jeden Tag 8000 Menschen und es gehört zu den wichtigsten unabhängigen Quellen zum Thema staatliche Gewalt.

Die 26-Jährige, die im Hauptberuf als Journalistin für eine unabhängige Zeitung arbeitet, bloggt seit 2006. Sie informiert ihre Leser auch über Twitter und schreibt für das Aktivistennetzwerk Global Voices Advocacy. Sie publiziert Material, dass ihr von Opfern oder von Menschenrechtsorganisationen zugeleitet wird.

Wichtiger Baustein ihrer Seite ist Torturepedia (nur arabisch), eine Datenbank, welche Fotos und Namen von Polizisten sammelt, denen Folterungen zur Last gelegt werden.

Noha ist Teil einer immer größer werdenden Gruppe junger ägyptischer Aktivisten, die sich die modernen Werkzeuge zunutze machen und deren Einfluss stetig wächst. Wael Abbas beispielsweise, der ebenfalls seit Jahren über Menschenrechtsverletzungen in seinem Land bloggt, hat auch international viel Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen.

Und die Arbeit der Blogger verändert nicht nur die Wahrnehmung von Ägypten, sondern zunehmend auch die Arbeitsweise traditioneller Medien dort.

Im Jahr 2003 erst wurden die ägyptischen Medien liberalisiert, gleichzeitig erhielten immer mehr private Haushalte Zugang zum Internet. Staatliche Angebote wie die Tageszeitung Al Ahram sahen sich plötzlich journalistischem Wettbewerb ausgesetzt.

"Blätter wie Al-Masry Al-Youm, El Dostor oder Al Shorouk sind zu Säulen einer unabhängigen Medienlandschaft geworden. Sie regen die Bevölkerung zur Meinungsäußerung an", sagt Heba Morayef, Kairoer Wissenschaftlerin für Human Rights Watch. Trotzdem habe sich der kommerzielle Journalismus nicht zu einem ernst zu nehmenden Gegner für regierungstreue Medien entwickelt: "Ägyptischer Zeitungsjournalismus ist selten investigativ und nimmt kaum die Perspektive der Bürger in den Blick."

Auf ihrer Suche nach Unabhängigkeit und Bürgernähe greifen traditionelle Medien daher immer öfter auf private Quellen zurück. Blogger und Aktivisten versorgen sie mit Videomaterial von Demonstrationen, Berichten über Verletzungen der Versammlungsfreiheit und Fotos von prügelnden Polizisten. Sie geben denen eine Stimme, die aus Furcht vor sozialem Stigma oder Repression selbst nicht zu sprechen wagen. Dazu nutzen sie Mobiltelefone und öffentliche Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube.