Beim Internet ist Iran Spitzenreiter im Mittleren Osten. Laut den World Internet Statistics sind derzeit 33 Millionen Iraner online. Damit stellt das bevölkerungsreiche Land mit Abstand die meisten Internetnutzer in der Region, auch wenn die sogenannte Durchdringung in Iran selbst erst bei 43 Prozent liegt.

Iraner partizipieren am Internet, allerdings mit Einschränkungen. "Natürlich fallen bestimmte Seiten der iranischen Filtermaschinerie zum Opfer", sagt Fard Bakhtiar (Name geändert, der richtige Name ist der Redaktion bekannt). Er ist IT-Spezialist und lebt in Teheran. Die Resignation in seinen Worten ist nicht zu überhören.

Am Telefon verweigert sich Fard jedoch etwas der Realität. Die Schuld an der Zensur sucht er bei den Amerikanern: "Globale Unternehmen wie Google, Apple und Paypal verderben sich durch Sanktionen gegenüber den iranischen Internetnutzern einen riesigen Markt." Dass die ausländischen Unternehmen auch ihm keinen Gefallen täten, wenn sie sich der Zensur unterwürfen, sieht er nicht. Inwiefern diese Haltung wirklich seiner eigenen Meinung entspricht, bleibt unklar.

Ein persisches Sprichwort sagt: In den Wänden wohnen Mäuse und die Mäuse haben Ohren. In diesem Fall gehören die Ohren der Islamischen Revolutionsgarde.

Die ist nicht nur der politische und religiöse Wächter des Regimes, sondern auch der größte Unternehmer des Landes. So kontrolliert sie unter anderem den Mobin Trust, ein milliardenschweres Konglomerat aus Militär, Wirtschaft und Politik. Und das kaufte im September 2009 für 7,8 Milliarden Dollar von der Regierung die Telecommunication Company of Iran. Nun gehören dem Mobin Trust nicht nur die Telefonleitungen, sondern auch sämtliche Netzprovider und zwei Mobilfunkanbieter. Das erklärt Fards Schweigen.

Doch das Netz ist nicht nur zensiert, es ist auch langsam. Irans Minister für Kommunikation und Informationstechnologie hat vor Kurzem angekündigt, die Regierung bemühe sich um schnellere Verbindungen für den Beginn des Jahres 2011. Privatleute könnten dann von zu Hause aus mit Breitband surfen.

Laut der International Telecommunication Union muss eine Breitbandverbindung mindestens eine Datenübertragungsrate von 2048 Kilobit pro Sekunde haben, um als solche zu gelten. Auch wenn jedes Land die Anforderung dafür etwas anders formuliert, ist Iran weit davon entfernt. "Geht man von 2048 Kilobit pro Sekunde als Basis für Breitband aus, hat Iran kein Breitband.", sagt Fard. Er betrachtet die angekündigten Veränderungen skeptisch.

"Wie viele Iraner habe ich ein 56K-Modem benutzt. Langsam ist dafür gar kein Ausdruck!", sagt Hesam Misaghi. Der junge Mann aus Isfahan schrieb, bis er im Januar 2010 floh, unter seinem Namen für ein Menschenrechtsblog im Iran.

Und selbst wenn der versprochene Breitbandausbau kommt, profitieren davon nur wenige. Der größte, Internetanbieter Irans, Pars Online, verlangt für eine Breitbandverbindung in Teheran monatlich etwa 40 Dollar. Dafür gibt es 256 Kilobit pro Sekunde und ein Datenvolumen von 20 Gigabyte. Viel Geld, im Jahr 2009 betrug das durchschnittliche iranische Monatseinkommen etwa 400 Dollar.