Das US-Internetunternehmen Amazon beherbergt nicht länger die Website des Enthüllungsportals Wikileaks . Die Internet-Aktivisten hatten bei der Veröffentlichung der geheimen diplomatischen US-Depeschen auf den Amazon Web Service (AWS) zurückgegriffen, um die hohen Zugriffszahlen auf die Dokumente bewältigen zu können. Nach politischem Druck vom amerikanischen Senator Joe Liebermann kündigte der Onlinedienstleister den Vertrag.

Wie Lieberman, der im Homeland Security and Governmental Affairs Committee sitzt, mitteilte , informierte Amazon sein Büro, dass Wikileaks nicht länger seine Server nutzen dürfe. "Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen klassifizierter Informationen durch Wikileaks", sagte Lieberman. Dass Amazon sich von Wikileaks abgewendet habe, solle anderen Unternehmen als Beispiel im Umgang mit dem Enthüllungsportal dienen, sagte der Senator. Keine verantwortungsbewusste Firma in den USA oder anderswo sollte Wikileaks helfen, die gestohlenen Informationen zu verbreiten, die " die nationale Sicherheit aufs Spiel setzt und Leben rund um die Welt gefährden".

Wikileaks reagierte auf dem üblichen Kanal, via Twitter. "Amazon Server abgedreht", schrieben die Internet-Aktivisten im Kurznachrichtendienst und warfen dem Dienstleister einen Verstoß gegen die Redefreiheit vor. "Okay, wir geben jetzt unsere Dollars in Europa aus."

Amazons Angebot für das Cloud Computing richtet sich an Unternehmen, die große Datenmengen im Internet möglichst sicher unterbringen und vor Verlusten schützen wollen. Wikileaks hatte sich mit dem Umzug in die Cloud, also in ein Netz von verteilten Rechenzentren, auch gegen mögliche Attacken auf seine technische Infrastruktur wappnen wollen.

Seit der Veröffentlichung der ersten Geheimdokumente hatten Hacker immer wieder versucht, die Website cablegate.wikileaks.org mit einem sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS) lahmzulegen. Dabei werden von zahlreichen Rechnern aus dem Netz so viele Anfragen an den Wikileaks-Server geschickt, dass er in die Knie geht.

Dass Wikileaks überhaupt gezwungen war, auf die Infrastruktur eines fremden Anbieters zurückzugreifen, zeigt die Probleme, die der oder die Betreiber offensichtlich haben. Bislang lief Wikileaks über verschlüsselte Server in Island, um um jenen, die Daten hoch- und herunterladen Anonymität gewähren zu können. Das ist bei einem kommerziellen Anbieter wie Amazon nicht unbedingt gewährleistet. Daher haben frühere Mitglieder des Whistleblowerportals den Umzug zu Amazon kritisiert.Das Vorgehen verstoße gegen alle Grundsätze und Sicherheitsregeln von Wikileaks, sagte Daniel Domscheit-Berg .