ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Smith: Ich bin ein konservativer Liberaler. Ich denke, es ist wichtig, seine Meinung zu sagen und ich denke, dass viele davor Angst haben. Ich bin sehr besorgt über die Reaktionen auf Assange und glaube, das wird auf diejenigen zurückfallen – es wird sich rächen, wie Organisationen wie Mastercard oder Paypal gehandelt haben , die Wikileaks kündigten, aber gleichzeitig Zahlungen des Klu-Klux-Klan dulden.

Es geht um die Idee, darum, wie das Internet unsere Kommunikation und unsere Regierungen herausfordert – und nicht um Wikileaks oder Assange. Wir müssen einen Weg finden, mit Menschen umzugehen, die die Welt verändern. Sie platt zu machen kann es nicht sein, ob man sie mag oder nicht. Vor allem aber müssen wir uns weniger mit einer einzelnen Person auseinandersetzen, sondern mehr mit dem Problem, das sie aufgeworfen hat .

ZEIT ONLINE: Sie glauben also, wir erleben gerade eine Revolution und Wikileaks ist so etwas wie ein Kollateralschaden?

Smith: Wie viele engagierte Menschen in der westlichen Welt glauben wirklich, dass wir gut regiert werden? Es gibt beispielsweise in meinem Land einen sichtbaren Vertrauensverlust. Wir schlagen Studenten und Kindern die Köpfe ein, weil sie demonstrieren; wir haben eine Finanzkrise und ein absurdes Königshaus – es sind schwierige Zeiten, wir brauchen Menschen mit kühlem Kopf. Vor allem aber brauchen wir Menschen, die für ihre Meinung einstehen und sie äußern.

ZEIT ONLINE: Hat Assange je darüber gesprochen, was aus Wikileaks wird, wenn er im Gefängnis ist?

Smith: Ich glaube, dass die Medien unterschätzen, wie die verschiedenen Zeitungen in das Projekt integriert sind. Die Geschichten werden von der Presse ausgesucht, nicht von Julian. Klar, wir können Julian die Schuld geben an diesem oder jenem Leak, aber warum schauen wir uns nicht die Rolle der Medien dabei an?

Ich bin grundsätzlich sehr froh, dass die Zeitungen dabei sind, ohne sie würde es nicht funktionieren. Aber wie sehr profitieren sie davon? Sie haben sich die Taschen voll gestopft. Das ist in Ordnung, es braucht Journalismus, um solche Leaks aufzubereiten. Es steckt viel Journalismus in diesem Projekt, nicht nur Wikileaks.