Es ist nicht das Internet, das in Iran, Tunesien oder derzeit in Ägypten für revolutionäre Stimmung sorgt, es sind wie immer in der Geschichte unzufriedene Menschen – der Begriff Twitter-Revolution ist Unsinn. Trotzdem hat das Internet eine unschätzbare Funktion übernommen: Es sorgt für Aufmerksamkeit, sofort und weltweit.

Noch vor einigen Jahren wären Demonstrationen wie die Dienstagnacht in Ägypten am folgenden Morgen als kurze Meldung über die Nachrichtenagenturen verbreitet worden, angereichert höchstens mit einer Verlautbarung der Regierung.

Doch dank UStream und YouTube konnte, wer wollte, die Nacht damit verbringen, den ägyptischen Demonstranten zuzusehen, wie sie sich gegen ihre Regierung auflehnten. Er konnte beobachten, wie die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen sie vorging, sie durch die Straßen jagte. Live. Gedreht und ins Netz gestellt von Menschen, die nichts als ein Telefon in der Hand hielten.

Wer das Suchwort #jan25 kannte, konnte ebenfalls nahezu live in Zehntausenden Tweets auf Twitter verfolgen, was im Land passierte und wie das in der Welt wahrgenommen wurde.

Mit dem Ergebnis, dass sich noch am Abend die Medien der Welt mit Berichten füllten, in Ägypten wachse eine neue Demonstrationsbewegung. Das Internet hat diese nicht gemacht, es hat sie nur beschleunigt, hat den Zeitraum, in dem so eine Bewegung wächst, von Monaten auf Tage verkürzt. Es hat alles ein wenig erleichtert.

Auch der ursprüngliche Aufruf zu den landesweiten Demonstrationen am 25. Januar, dem Tag der Polizei, stand zuerst im Netz, bei Facebook.