Die Schüsse auf dem Supermarktparkplatz in Tucson im Bundesstaat Arizona waren kaum verhallt, die Zahl der Toten und Verletzten noch offen, da begann bereits die Diskussion über die Schuldigen des Attentats. "Wenn Hasstiraden und Gerede über Misstrauen und Paranoia gegenüber der Regierung, mit denen die Öffentlichkeit aufgehetzt wird, 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche laufen, dann hat das einen Effekt, ganz besonders auf Leute mit Persönlichkeitsstörungen", sagte Clarence Dupnik, der zuständige Sheriff bei der ersten Pressekonferenz nach dem Vorfall. Wen er meinte, war klar: Fox News.

Offiziell ist Fox News ein Nachrichtensender. Doch die Bezeichnung ist irreführend. Fox News ist ein Phänomen. Der Sender hat seit seinem Debüt 1996 nicht nur die amerikanische Medienlandschaft revolutioniert, sondern auch die politische Kultur radikal verändert. "Man kann die Bedeutung des Aufstiegs von Fox News kaum übertreiben", sagt Mark Feldstein, Professor an der George Washington University und selbst ein ehemaliger TV-Mann, der ein Buch über den Aufstieg des Skandaljournalismus geschrieben hat.

Der Kabelkanal startete 1996 bescheiden. "Wir hatten keine Studios, kein Programm, keine Zugpferde, keine Ideen, aber zwei oder drei harte Wettbewerber", erinnerte sich Roger Ailes später in einem Interview. Ailes ist der Mann hinter Fox News.

Seine Karriere begann der heute 70-Jährige als Medienberater von Richard Nixon Ende der sechziger Jahre. Ailes magisches Händchen, Kandidaten telegen zu machen, bescherte ihm auch nach Nixons Rücktritt prominente Klientel. Er beriet Ronald Reagan ebenso wie George H. W. Bush und sogar Jacques Chirac, als der noch Bürgermeister von Paris war. Dann wechselte er die Seite und ging zum TV-Sender NBC.

Dort zeigte er bald seinen Mut, die Konventionen seiner neuen Branche einfach abzuschütteln. Er überholte den Wirtschaftssender CNBC, indem er über Wirtschaft so berichten ließ, als handle es sich um Sportereignisse. Doch Ailes eckte in dem rigiden Konzern schnell an. Auf der Suche nach einer neuen Chance traf er sich mit dem erzkonservativen Verleger Rupert Murdoch . Die zwei verstanden sich auf Anhieb.

Murdochs Markenzeichen ist seine klare politische Ausrichtung – hart rechts –, oft gepaart, etwa bei der New York Post , mit einer Mischung aus Sex und Sensationen . Beide Männer waren sich einig darin, dass eine konservative Stimme fehle. Murdoch gab Ailes den Auftrag, einen Nachrichtenkanal für seinen Konzern News Corp. aufzuziehen.

Bis zum Auftritt des Duos Murdoch-Ailes galt CNN-Gründer Ted Turner als Revolutionär mit seiner Idee, Nachrichten rund um die Uhr anzubieten und sein Sender als unschlagbar. Ailes jedoch sah, wie beliebt Talk Radio in den USA war – Sender, die hitzigen Kommentatoren mit extremen Ansichten eine Plattform boten. So entstand Fox News: eine Mischung aus aktuellen Berichten, meist präsentiert von attraktiven jungen Frauen, und mit konservativen bis reaktionären Stammtisch-Kommentaren wie etwa die von Bill O´Reilly. Der wurde mit seinen Parolen und rüden Methoden zum Star des Senders.


"Eine solche Mischung von Bericht und Kommentar gab es bis dahin nur in Zeitungen und Magazinen, aber nicht im Fernsehen", sagt Journalismusforscher Feldstein. Ailes ging jedoch noch einen Schritt weiter: Fox News verabschiedete sich von dem, was er verächtlich als "Pseudo-Objektivität" abtat. Nachrichten sind für ihn ein Produkt, das sich passgenau auf die Wünsche und Bedürfnisse der Zuschauer ausrichten lässt.

Die Einschaltquoten gaben ihm schnell recht: bereits 2002 überholte Fox News den etablierten Konkurrenten CNN. Im Rekordjahr 2009 schossen allein die Ratings für den umstrittenen Politik-Talker Glenn Beck um 50 Prozent nach oben. Dass die Los Angeles Times über ihn lästerte, er sei weniger ein Kommentator als ein Kandidat für eine Gummizelle, tat der Quote keinen Abbruch.

Auch bei der Berichterstattung über die Schießerei in Arizona hängte Fox bei den Einschaltquoten alle anderen Sender ab.