Am Montagabend ist Googles Marketing-Leiter für den Mittleren Osten und Nordafrika, Wael Ghonim, freigelassen worden. Ghonim stammt aus Ägypten, galt seit dem 28. Januar als vermisst und ist so etwas wie ein heimlicher Held der ägyptischen Protestbewegung. Erst am vergangenen Sonntag hatten seine Angehörigen überhaupt erfahren, dass er während der Proteste in Kairo verhaftet worden war.

Wurde der Google-Manager auf dem Tahrir-Platz festgenommen, weil er maßgeblich an der Organisation der Proteste im Internet beteiligt war?

Viel ist über den Familienvater, der um die 30 Jahre alt ist, nicht bekannt. Aber der Google-Manager zählt dem Wall Street Journal zufolge zu einer kleinen Gruppe politischer Aktivisten, deren Know-how während des vergangenen Jahres geholfen hat, die Demonstrationen zu entfachen, die das ägyptische Regime nun bedrohen.

Schon früh erkannte er nach eigenen Aussagen das Potenzial des Internets für die ägyptische Opposition. So twitterte Ghonim am 27. Januar : "Vor einem Jahr habe ich gesagt, das Internet wird die politische Szene in Ägypten verändern, und da haben sich einige Freunde über mich lustig gemacht."

Laut Wall Street Journal war Ghonim einer von vier Administratoren einer Facebook-Seite, die sich zum virtuellen Hauptquartier der Protestbewegung entwickelte. Und Ghonim soll die offizielle Homepage des Friedensnobelpreisträgers und Oppositionspolitikers Mohamed ElBaradei aufgebaut haben. Anderen Oppositionsgruppen stand er ehrenamtlich als technischer Berater zur Seite.

In einem seiner letzten Tweets vor seinem Verschwinden hatte Ghonim geschrieben: "In großer Sorge, weil es so aussieht, als würde die Regierung ein Kriegsverbrechen gegen das Volk planen. Wir alle sind bereit, zu sterben." Er warnte andere Demonstranten vor der bevorstehenden Gewalt. Am Tag darauf gab es Tote und Hunderte Verletzte, Ghonim selbst verschwand.

Bei Twitter äußerte sich Ghonim selbst immer wieder regierungskritisch. Einer seiner Tweets während der Parlamentswahlen Ende November 2010 lautete: "Der Witz des Tages: Die ägyptische Regierungspartei NDP wirft der BBC vor, sie würde falsche Berichte über die Wahlen in Ägypten verbreiten, um Ägyptens Bild in der Öffentlichkeit zu schaden."