Heute vor 15 Jahren, am 8. Februar 1996, verkündete der Hippie, ehemalige Viehzüchter, Harvard-Fellow und Aktivist John Perry Barlow beim Weltwirtschaftsforum in Davos die sogenannte Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace . Es ist einer der am häufigsten kopierten und einer der am häufigsten geschmähten Texte in der Geschichte des Internets. Doch obwohl das Manifest heute häufig als naiv gescholten wird, ist es mehr als nur ein historisches Zeugnis. Debatten um WikiLeaks , Kopierschutz , Netzneutralität und Netzsperren wie in Ägypten zeigen die ungebrochene Relevanz der formulierten Gedanken.

Barlow entwickelte darin Ideen, die damals utopisch schienen. Insbesondere beschwor er den Zusammenstoß der Fans der neuen Technologie mit der Politik und der Wirtschaft. Der Text hebt vollmundig an: "Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die ihr über uns auszuüben anstrebt."

Viel mehr Revolutionspathos bietet auch Dantons Tod nicht. Problemlos lässt sich darin erkennen, dass der Autor kein Nerd, sondern ein Lyriker ist. Barlow – bei der Abfassung schon 49 Jahre alt – textete auch für die Hippieband Grateful Dead. Er steht für jene charakteristische Verbindung von kalifornischer Gegenkultur und Computerbastlern, die das ideologische Konzept der ersten Apologeten des Netzes prägte.

Zum Internet kommt er – wie viele Hippies damals – über die Community The Well , die erste ihrer Art. Die von Steward Brand 1985 gegründete Plattform versteht sich als Netz-Dependance des Whole Earth Catalogues . Das vom Stanford-Absolventen Brand herausgegebene Kompendium erscheint ab 1968 in unregelmäßigen Abständen und gilt während der siebziger Jahre als die wichtigste Publikation in Sachen Gegenkultur und grünes Leben.

Im Umfeld der neuen Technologie verwandelt sich die Forderung der Hippies nach sexueller und politischer Freiheit in jene nach der Freiheit von Information. Schon 1984 formuliert Brand den Satz, auf den sich Julian Assange, die Piratenpartei und der Chaos Computer Club bis heute beziehen: "Information will frei sein."

Barlow stößt 1986 auf The Well . Er sucht Kontakt zur Außenwelt, seit 1971 lebt er auf einer abgeschiedenen Ranch in Wyoming. Zum Aktivisten, der für die Freiheit des Netzes kämpft, wird er aufgrund eines Zusammenstoßes mit der Staatsgewalt.

Im April 1990 wird sein Haus durchsucht, weil man gestohlenen Quellcode bei ihm vermutet. Die Bundespolizei findet nichts, Barlow ist verärgert. Er postet seine Erfahrungen auf The Well und trifft dort auf Gleichgesinnte.