Die libysche Regierung hat von ihren Nachbarn gelernt – obwohl sie offensichtlich fähig ist, das Internet zu kappen, macht sie davon nur selektiv Gebrauch.

Am 19. und am 20. Februar war das Internet in Libyen jeweils für mehrere Stunden abgeschaltet . Das Muster war in beiden Fällen das gleiche: Abends gingen die Server aus, kurz vor Sonnenaufgang wurden sie wieder hochgefahren .

Warum? Nachts gehe die Armee gegen Demonstranten vor, und es sollen keine Bilder davon kursieren, spekulieren Beobachter im Ausland .

Doch sind das nicht die einzigen Blockaden. Der staatliche Anbieter General Post and Telecommunications Company hat mehr oder weniger dauerhaft den Zugang zu Nachrichtenseiten wie Al Jazeera, zu Facebook, Twitter und YouTube gesperrt. Der Anbieter hat das Monopol für Netzzugänge, Chef des Aufsichtsrates ist Muhammad al-Gadhafi, der älteste Sohn des Staatspräsidenten.

Geschieht eine solche Blockade nur auf Ebene der DNS-Server, also der Verknüpfung mit den Namen der einzelnen Seiten, können die Sperren durch Eingabe von IP-Adressen umgangen werden. Twitter beispielsweise ist über die Adressen 128.242.240.212 und 128.242.240.52 direkt erreichbar, Facebook über die 69.63.189.34.

Wohl immer wieder gestört aber noch nicht komplett abgeschaltet sind stationäre Telefonleitungen, weswegen derzeit viele Nachrichten über Sprachdienste wie Audioboo verbreitet werden. Der Anbieter macht es möglich, eine Tonspur aufzuzeichnen und anderen via Netz zugänglich zu machen.

So gibt es Audio-Berichte von Schüssen in der libyschen Hauptstadt Tripolis: