Im vergangenen Jahr drangen Unbekannte mehrmals in das Computernetzwerk der größten amerikanischen Börse Nasdaq ein. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf nicht näher bezeichnete "Personen, die mit dem Fall vertraut sind". Die Plattform, über die der Handel abgewickelt wird, sei aber nicht betroffen.

Die Börse wird von einem Unternehmen namens Nasdaq OMX betrieben, einem der größten Börsenbetreiber weltweit. Für die amerikanische Regierung gehören seine Computer genau wie die von Kraftwerken oder Flughäfen zur kritischen Infrastruktur, die unbedingt vor Angriffen geschützt werden muss.

Entsprechend ernst genommen werden die Einbrüche. Das Weiße Haus sei informiert, und die Untersuchungen leiteten der auch für Finanzkriminalität zuständige Secret Service und die Bundespolizei FBI. Ersterer habe im vergangenen Jahr die Ermittlungen begonnen, schreibt die Zeitung. Auslöser waren "verdächtige Dateien" auf den Servern des Konzerns.

Woher die Einbrecher kamen und was sie wollten, sei aber noch völlig unklar. "Bisher haben sich die Eindringlinge offenbar nur umgesehen", wurde ein Beteiligter der Untersuchungen zitiert.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kundendaten gestohlen wurden, teilte das Unternehmen mit. 

Die Spur des oder der Angreifer konnte bislang auch nicht zu einem spezifischen Computer oder auch nur einem Land zurückverfolgt werden, hieß es. Es gebe lediglich einige Indizien, die auf Russland als Ursprungsort deuteten. Allerdings könnte das auch lediglich heißen, dass ein zuvor gekaperter russischer Rechner für den Einbruch benutzt wurde und die Täter ganz woanders sind.

Das Wall Street Journal zitiert einen früheren Mitarbeiter der Weltbank, der dort für Computersicherheit zuständig war mit der Aussage, dass die fähigsten Hacker sich zunehmend Finanzinstitutionen als Ziel suchten. "Viele der guten Hacker versuchen nicht sofort, Kapital aus einer solchen Situation zu schlagen; meistens machen sie nur das, was 'Informationssammeln' genannt wird", so Tom Kellermann. "Sie suchen Hinweise, wie sich ein solcher Einbruch langfristig am besten zu Geld machen lässt."

Die Ermittler sind – auch wenn das eigentliche Handelssystem nicht betroffen war –, daher durchaus beunruhigt. Denn der Handel an der Börse hängt vor allem davon ab, dass alle Seiten seiner Sicherheit vertrauen. 

Vor kurzem erst waren Hacker in die Plattform eingedrungen, auf der in Europa Emissionszertifikate gehandelt werden und hatten Optionen im Wert von 30 Millionen Euro gestohlen und weiterverkauft. Allerdings galt die europäische Plattform im Gegensatz zur Börse als vergleichsweise schlecht gesichert.