Ein Facebook für Ökos

Berlin ist bekannt für seine Currywurst, Currywurst ist nicht bekannt für gute Fleischqualität. Wer seinen Appetit darauf nicht in den Griff bekommt, findet im Stadtzentrum eine Imbiss-Bude, die ökologisch einwandfreie Biowurst zu 1,80 Euro die Portion anbietet. Das ist ein Tipp von Ronja, einer Redakteurin der Umweltcommunity Savemynature . Von ihr gibt es dann noch die Information, dass das Fleisch für die Currywurst vom artgerecht gehaltenen Havelländer Apfelschwein stammt.

Savemynature ist ein neues soziales Netzwerk, das eine Art grünes Facebook werden möchte. Die Kernidee ist, Nutzer auf einer Landkarte Informationen zusammentragen zu lassen und gleichzeitig die Kontakte zwischen den Nutzern zu fördern. Es soll ein Netz entstehen, das zum einen als Informationsplattform fungiert, zum anderen wie Facebook Menschen miteinander verbindet. Alle Mitglieder haben ein Profil mit Pinnwand und Fotoalbum, ein Postfach, sie können Freundschaften schließen, Gruppen gründen oder in solche eintreten.

Dargestellt wird alles auf einer Weltkarte, in die der Nutzer zoomen kann. Das funktioniert wie bei der Globus-Software-GoogleEarth und sieht genauso aus. Die Verknüpfung erfolgt über kleine Icons. Sie stehen als Symbol für andere Benutzer, für Texte, Events und Fotos. Und die Icons sind geocodiert: Legen Nutzer etwa ein Bild an, können sie es mit einem Punkt auf der Karte verknüpfen. Durch die Codierung entsteht eine Umweltlandkarte, auf der sich sowohl ein Reformhaus um die Ecke finden lässt, als auch ein Foto einer illegalen Müllkippe im nahe gelegenen Wald.

Die Idee hatte die Stiftung Saveournature . "Unsere Intention ist, eine Plattform zu bieten, auf der sich möglichst viele Menschen austauschen können, die sich in irgendeiner Form für Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Natur interessieren", sagt Stiftungssprecherin Cornelia Weiß. Die Stiftung will mit Hilfe von Medien das Umweltbewusstsein der Gesellschaft erhöhen. Gründer und Geldgeber ist Thilo Graf Rothkirch , ein Regisseur und Produzent, der unter anderem Koproduzent des Kinofilm Zweiohrküken war.

Auch andere Naturschutzorganisationen bieten Communitys an. Doch oft sind diese nur für eine kleine Zielgruppe interessant – und die Organisationen wollen dort vor allem Mitglieder für ihre eigenen Projekte gewinnen. Von Greenpeace gibt es etwa eine "Kampagnencommunity" für "Mitstreiter" , einen Ort für Menschen, die sich über Greenpeace und deren nächste Aktionen austauschen wollen. Also eher etwas für Hardcore-Umweltschützer, als für den durchschnittlich Umweltinteressierten, der wissen will, ob er Glas- oder Plastik-Mehrwegflaschen kaufen soll. Auch bei der Community des WWF gehen die Themen kaum über die Interessen der Organisation hinaus. 

Savemynature will alle ansprechen, egal, ob es den Mitgliedern um ökologische Bratwürste, Rettung der Robben oder Schutz des Regenwaldes geht. Umweltschutz als Gesamtkonzept.

Bislang finden sich bei Savemynature vor allem Veranstaltungshinweise, etwa für ein Veganerfestival bei Malaga in Südspanien , und über 1200 Spots, wie in der Community Meldungen oder Hinweise heißen. Sie sind in zwei Kategorien geteilt, in positive und negative. Zu den positiven Spots zählt etwa eine Sammlung grüner Apps für Smartphones oder eine Meldung mit Link zu einer Fotostrecke über Ureinwohner im Amazonas, die noch keinen Kontakt mit der Zivilisation hatten.

 Umweltschutz aus dem Netz für die reale Welt

Zu den negativen Spots zählen Hinweise auf Probleme. Savemynature-Redakteur Maik Schaffer hat zum Beispiel einen Spot gegen Robbenjagd angelegt. Auf der Informationsseite über den Spot hat er acht Petitionen von anderen Internetseiten verlinkt und einen kurzen Text dazu geschrieben.

Schaffer ist einer von drei Redakteuren, die die Seite betreuen und mit Inhalten füllen. Denn noch gibt es nicht genügend User, die mitmachen – um die Tausend sind es im Moment. Doch die Community wächst, wenn auch langsam.

Seit Mai vergangenen Jahres ist das Netzwerk in einer Testversion online. Inzwischen ist den Machern aufgefallen, dass eine Kategorie fehlt, um Nutzer zu Aktionen zu animieren, die nicht nur im Netz stattfinden. Deswegen wird es in einigen Wochen die Rubrik Take Action geben. Dort können Nutzer Aktionen posten und Unterstützer suchen. Das kann eine Demo sein, aber auch der Vorsatz, künftig auf Fleisch zu verzichten, der leichter fällt, wenn andere mitmachen.

Als nächstes wollen die Entwickler Social Games integrieren, die mit Umweltschutzprojekten verknüpft sind. Die Pläne der Stiftung klingen ambitioniert: Erreichen Spieler ein Spielziel, soll ein reales Klimaschutzprojekt umgesetzt werden. Die Stiftung führt bereits Gespräche mit Partnern, von denen das nötige Geld und Know-How dafür kommen soll. Die Namen hält die Stiftung bislang noch unter Verschluss, versichert aber, dass es die ersten dieser Games schon Ende diesen Jahres geben wird.

Bis jetzt gab es Savemynature nur auf Deutsch und Englisch. Weil es in der Community ein paar sehr aktive Mitglieder aus Polen gibt, wird seit Neuestem auch Polnisch angeboten. Später sollen noch Spanisch und Französisch dazu kommen.

Das alles klingt gut, doch auf Dauer braucht Savemynature wie jede Community mehr Aktive. Nur wenn die Nutzerzahlen steigen, kann die Community erfolgreich agieren – im Netz und für die Umwelt.