Oft mehr als 200 Mal im Jahr basteln die Ingenieure Googles am Suchalgorithmus und an der Darstellung der Ergebnisse auf der Seite. Und in der Regel merken es die Nutzer nicht, wenn Google die Methode verändert, nach der das Netz durchforstet wird.

Die letzte Überarbeitung des Suchalgorithmus aber war so eingriffig, dass der Konzern selbst sie öffentlich machte . Denn jede siebte Website wurde dadurch in der Ergebnisliste weiter nach oben geschoben oder herabgestuft – allein in den USA. Einige Angebote von Webunternehmen wurden in ihrem inhaltlichen Wert sogar so radikal neu bewertet, dass sie kaum noch zu finden sind.

Es kommt selten vor, dass die weltgrößte Suchmaschine so unverblümt demonstriert, wie groß ihre Macht ist. "Google kann ganze Branchen und Wirtschaftszweige steuern", sagt der Suchmaschinen-Experte Wolfgang Sander-Beuermann, der Vorsitzende des SuMa , eines Vereins, der sich für freien Wissenszugang einsetzt. "Das ist so, als wenn die Betreiber der Gelben Seiten einfach Firmen verschwinden lassen."

Die Überarbeitung sei bitter nötig gewesen, sagt hingegen Johannes Beus, Geschäftsführer von Sistrix in Bonn , einem Anbieter von Webanalyse-Werkzeugen. "Google hatte vor allem in den Vereinigten Staaten massive Probleme, weil sich viele Benutzer über die Qualität der Suchergebnisse beschwert haben."

Der Grund dafür war der Aufstieg einer neuen Gattung von Internetunternehmen, sogenannter Contentfarmen . Die verstehen sich bestens darauf, bei den Ergebnisanzeigen Spitzenplätze zu besetzen, obwohl auf ihren Seiten oft nicht das zu finden ist, was die Nutzer eigentlich suchen.

Eine möglichst große Zahl freier Mitarbeiter produziert für diese Firmen am Fließband und zu Dumping-Löhnen Texte, Bilder oder Videos, die auf der Plattform publiziert werden. Produziert wird nicht, was wichtig, neu oder interessant ist. Relevant ist allein, ob das Thema von Nutzern bei Google gesucht wird. Geben viele "Teerflecken entfernen" ein, stellen Firmen wie Demand Media, Associated Content oder andere schnell einen Text zu Teerflecken zusammen.

Das Know-How der Contentfarmer liegt darin, alle Beiträge so gründlich mit Schlüsselbegriffen zu versehen, dass Suchmaschinen sie leicht finden. Wodurch sie oft weit oben stehen in den Ergebnislisten. Zwar liefern diese Firmen gewissermaßen auf Bestellung, wofür sich das Netz interessiert, doch Gutes liefern sie dabei selten.

Google aber will vor allem relevante Ergebnisse auswerfen. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Konzern mit seinen Änderungen vor allem die Billig-Inhalte-Anbieter von den Spitzenplätzen in den Ergebnislisten verdrängen wollte.

Die Auswirkungen auf das Netz sind erheblich. Vor allem, weil keineswegs nur die Websites von Content Farmen betroffen sind. Sistrix ermittelte, dass mehr als 300 Seiten in den Ergebnisanzeigen der Websuche zurückgestuft worden sind . Darunter sind zwar viele, die man als Contentfarm bezeichnen könnte: Ezinearticles.com, Hubpages.com oder Yourdictionary.com veröffentlichen Massen von Artikeln, die sie zu Dumping-Preisen erstellen lassen. "Die meisten Seiten, die betroffen sind, gehörten nicht zu denen, die höchste Qualität anbieten", sagt Sistrix-Geschäftsführer Beus.