Es klingt erst einmal beeindruckend, wenn Amazon verkündet , nun zum ersten Mal mehr E-Books zu verkaufen als gedruckte Bücher.

Das Online-Versandhaus versicherte, die Zahl der verkauften E-Books umfasse keine kostenlosen. Von denen gibt es Unmengen. Sämtliche Werke des Projektes Gutenberg beispielsweise, das urheberrechtsfreie Texte online veröffentlicht, sind auch über Netz-Buchläden zu haben.

Eine Anmerkung jedoch macht skeptisch: In der Mitteilung zu den verkauften Druckwerken heißt es: " This includes sales of hardcover and paperback books by Amazon where there is no Kindle edition. " Also nur solche Bücher wurden gezählt, von denen bislang keine elektronische Version existiert. Das aber sind nicht mehr ganz so viele, bringen Verlage doch inzwischen regelmäßig neben der klassischen auch eine digitale Version ihrer Bücher heraus.

Und der Konzern schweigt stets beharrlich darüber, wie viele Bücher er denn überhaupt absetzt. So ist es also vor allem für Amazon ein wichtiger Schritt: Seit dem 1. April werden für 100 gedruckte Bücher – und zwar Paperback und Hardcover zusammen – mindestens 105 elektronische Bücher verkauft. Was diese Mitteilung für den Markt bedeutet, lässt sich daraus leider nicht ablesen.

Noch dazu kommt, dass Amazon viel dafür tut, elektronische Werke abzusetzen. So versuchte das Unternehmen lange, allen Verlagen einen festen Höchstpreis für diese vorzuschreiben. Mehr als zehn Dollar sollte kein E-Book kosten. Damit sind die teuersten E-Books um einiges billiger als die Hardcover-Versionen und ungefähr so teuer wie Paperbacks. 2010 setzte dann der Verlag Macmillan durch, dass seine digitalen Bücher für 13 bis 15 Dollar angeboten werden können.

Ursprünglich hatte Amazon seine Bücher auch nur für das eigene Lesegerät Kindle zur Verfügung gestellt. Inzwischen aber können auch Nutzer von Apples iPad Bücher von Amazon erwerben. Der Kundenkreis wurde so erheblich erweitert, wenn auch auf Kosten des Absatzes der firmeneigenen Hardware.