Bei der Lesbarkeit beispielsweise hat sich der für Kinderbücher typisch grüne Balken beim siebten Teil Harry Potter und die Heiligtümer des Todes rot verfärbt. Auch das Risiko negativer Emotionen sei im siebten Teil mehr als doppelt so hoch als im ersten. Rein sprachlich hält die Software den siebten Teil ab zwölf Jahren für geeignet. Aber da es thematisch viel um den Tod geht, würde Fuchs das Buch sogar erst ab 13 oder 14 Jahren empfehlen. Carlsen räumt denn auch auf Nachfrage ein: "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes ist kein Buch für Zehnjährige."

Bislang gibt es das Programm nur als Prototyp. Für eine allgemeine Nutzung müssten die Verlage ihre Texte digital zur Verfügung stellen. Und noch ein Problem gibt es: Die Bewertung religiöser Inhalte macht der Software Mühe. "Wie misst man eine Weltanschauung?", fragt Fuchs. Auch Ironie konnten die Wissenschaftler dem Rechner noch nicht beibringen, Bilder kann er ebenfalls nicht entschlüsseln. Erkannt wird nur der Text.

Das macht es schwer, "Age Suitability" beispielsweise zur Bewertung von Filmen einzusetzen. Zwar können die Wissenschaftler anhand der Untertitel eine Analyse versuchen, bleiben die aber zum Beispiel in einer stummen Gewaltszene aus, weiß die Software vom jugendgefährdenden Inhalt nichts.

Eltern sollten sich davon keine einfache Lösung erhoffen, denn die Software liefert keine konkrete Altersangabe als Ergebnis. Lediglich beim Punkt Lesbarkeit des Textes legt sich "Age Suitability" auf ein Alter fest, bei den anderen Aspekten gibt es nur grobe Schätzungen. Die Entscheidung müssen also weiter die Eltern fällen. Doch kann die Software zumindest eine Orientierung bieten, die unabhängig von den Interessen der Verlage ist.

Selbst wenn es technisch machbar wäre, fänden die beiden Programmierer eine fixe Altersangabe auch nicht sinnvoll. Schließlich könnten zwei Kinder im gleichen Alter unterschiedlich weit entwickelt sein, sagt Fuchs.

Die Wissenschaft gibt ihnen Recht: Man könne über die Altersempfehlung eines Buches eben immer unterschiedlicher Meinung sein, sagt Ewers. Die Werte seien daher nur eine Orientierungshilfe. Ewers sieht darin aber keine Gefahr. "Wenn ein Kind interessiert ist, etwas zu lesen, dann sollte es das auch dürfen." Erfahrungsgemäß würden Kinder schwierige oder belastende Bücher von selbst weglegen. Und auch das sei ja eine wichtige Erfahrung, sagt Ewers. Problematisch sei ein Buch nur dann, wenn das Lesen zur Qual werde.