Das hat es in anderen Fällen schon ähnlich gegeben, doch neu ist, dass sich die Nachricht nicht jedem erschließt – nicht einmal demjenigen, der sie verbreitet:  Denn die wohl erste Quelle, die über den Angriff amerikanischer Sondereinsatzkräfte berichtete, war ein Augenzeuge. Der schrieb zwar, was er sah und hörte, begriff aber nicht, wovon er Zeuge wurde.

In mehreren Tweets berichtete der Pakistaner Sohaib Attar , Hubschrauber flögen über Abbottabad und Explosionen seien zu hören. Er twitterte auch, eine der Maschinen sei abgestürzt, zwei ausländische Cobra-Kampfhubschrauber hätten sie zuvor begleitet.

Erst Stunden später wurde ihm klar , was er dort gehört und getwittert hatte: " Uh oh, now I'm the guy who liveblogged the Osama raid without knowing it. " Sinngemäß: Na toll, ich bin jetzt der Typ, der den Osama-Überfall live bloggte, ohne es zu wissen. Er wurde damit selbst zu einer Geschichte und berichtete kurz darauf, sein Mailpostfach sei zusammengebrochen, weil viele Medien versuchten, ihn für ein Interview zu erreichen.

Dabei ist nicht Sohaib Attar die Geschichte. Das Netz ist es. Er selbst weiß das, twitterte er doch auch den Satz: " I am JUST a tweeter, awake at the time of the crash. Not many twitter users in Abbottabad, these guys are more into facebook. That's all. " Ein Zufall also sei es gewesen, dass er etwas bemerkt und getwittert habe.

Dieser Zufall ist das neue Nachrichtenprinzip. Denn egal wo auf der Welt etwas passiert – die Wahrscheinlichkeit, dass jemand es kurz darauf der gesamten Welt mitteilt, ist inzwischen groß. Und sie wird immer noch größer. Die Herausforderung ist es, diese Rohdaten wahrzunehmen und richtig zu deuten.

Im Prinzip war das schon immer so, kein Bericht zeigt das ganze Bild. Nicht umsonst unterhalten Geheimdienste riesige Abteilungen, die allein mit der Bewertung von Nachrichten beschäftigt sind und versuchen, größere Muster hinter den einzelnen Informationen zu erkennen. Und sind dabei manchmal selbst überfordert . Im Internet muss jeder, der verstehen will, was wirklich passiert, zu einem Auswerter werden.