Die internationale Organisation zur Verwaltung von Internetdomains (Icann) hat eine der größten Veränderungen in der Geschichte des Internets beschlossen. Künftig sollen Web-Adressen mit allen möglichen Wörtern enden können. Anstatt ".org", ".com" oder einer Länderendung können ab 2013 alle Wörter, auch Marken- oder Firmennamen, am Domain-Ende stehen, beispielsweise ".berlin".

Die Organisation rechnet damit, dass mit der Einführung 300 bis 1.000 sogenannte generische Top-Level-Domains (TLD) geschaffen werden können. "Icann hat das Namen-System des Internets geöffnet, um weltweit einen neuen Einfallsreichtum anzuregen", sagte Icann-Präsident Rod Beckstrom. Die neuen TLD sollen verändern, wie Menschen im Internet Informationen suchen und wie Unternehmen ihre Online-Auftritte planen und strukturieren, heißt es in der Erklärung von Icann.

"Die heutige Entscheidung wird ein neues Zeitalter des Internets in Gang bringen", sagte der Icann-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Dengate Thrush. Große Anstrengungen seien unternommen worden, um allen Interessengruppen gerecht zu werden und die Sicherheit und Stabilität des Internets zu gewährleisten, heißt es auf der Internetseite von Icann.

Von Januar bis April 2012 nimmt Icann erstmals Bewerbungen für die neuen Endungen entgegen. Es wird damit gerechnet, dass erst zwei bis drei Jahren später wieder neue Anträge angenommen werden können. "Interessenten müssen jetzt handeln, wenn sie einen Antrag auf eine dieser neuen Domainnamen stellen wollen. Das Verfahren ist weitaus schwieriger als die Registrierung einer .com-Adresse.“ sagte Theo Hnarakis, Chef des Internetdienstleisters Melbourne IT Digital Brand Services. Die Antragsgebühr betrage 185.000 US-Dollar.

Laut seiner Analyse sind es insbesondere bekannte Marken aus der Unterhaltungs- und Finanzbranche, die in der Bewerberschlange für die neuen Top-Level-Domains ganz vorne stehen. 92 Prozent der 150 Unternehmen, die Melbourne IT DBS ihr Interesse an einem Antrag auf eine neue Top-Level-Domain genannt haben, gaben an, dass sie vorzugsweise den Namen ihrer Hauptmarke wählen würden. Beispielsweise will sich das Unternehmen Canon um die Endung ".canon" bewerben. Weitere elf Prozent gaben an, sie hätten Interesse an der Bewerbung um einen Oberbegriff als TLD, wie ".bank", ".hotel" oder ähnliches.

Es zeichnen sich zwei Hauptgründe für die Bewerbung um eine der neuen TLD ab: 48 Prozent der Bewerber gaben an, ihr Hauptziel sei, sich gegen Markenrechtsverletzungen zu schützen. Weitere 45 Prozent hoffen, sich Marktvorteile zu verschaffen. Die 150 befragten Unternehmen stammen aus den USA, Europa und dem Asien-Pazifik-Raum.

Forderungen, den Namensraum zu erweitern, gibt es seit Jahren. Icann war bisher jedoch zurückhaltend, wenn es darum ging, neue Domainendungen zuzulassen. Trotzdem hatten sich einige Neueinführungen nie durchgesetzt, beispielsweise ".aero" oder ".pro". Die neueste Erweiterung betraf die Endung ".xxx", mit der pornografische Angebote gebündelt werden sollen. Um die nun möglichen Domains können sich nur Firmen und Institutionen bewerben, nicht aber Privatleute.