Studien dieser Art gibt es häufiger, und sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Der Beweis, dass illegale Downloads oder Streams eins zu eins in einen Verlust der Medienindustrie umgerechnet werden können, ist so einfach nicht zu erbringen. Auch eine Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) legt nun offenbar nahe, dass Internetnutzer, die sich viel auf illegalen Streaming-Angeboten wie der inzwischen geschlossenen Seite kino.to herumtreiben, womöglich auch deutlich mehr Geld für Kinokarten und DVDs ausgeben. Allerdings wurde die Studie bislang nicht publiziert.

Nach Informationen des Online-Mediums Telepolis gaben in der Befragung der GfK viele Nutzer an, die Streaming-Seiten als eine Art Vorschau zu verwenden. Gefiel ihnen der Film, kauften sie DVD oder Kinokarte. Offensichtlich hatten die GfK oder ihre Auftraggeber ein anderes Ergebnis erwartet. "Wir haben damit nicht gerechnet", zitiert das Netzmagazin einen Mitarbeiter des größten Marktforschungsinstituts, der verständlicherweise anonym bleiben möchte, wie es in dem Artikel heißt. Und weiter überlegt der Telepolis -Autor Rüdiger Suchsland, ob das Vorgehen gegen kino.to "nicht zuletzt mit dem Ausschalten der Konkurrenz zu tun" hatte. Bastele die Branche doch an eigenen, ähnlichen Angeboten.

Auf Nachfrage korrigiert die Pressestelle der GfK den irreführenden Eindruck, das Institut selbst hätte einen Einfluss darauf, welche Studien publiziert würden und welche im Giftschrank verschwänden. "In unseren Geschäftsbedingungen sichern wir allen Auftraggebern zu, dass wir die Studien weder öffentlich begleiten noch publizieren, es sei denn, das wird vom Auftraggeber ausdrücklich gewünscht", heißt es.

Das bedeutet, die GfK kann weder die vermeintlichen Auftraggeber der Studie benennen, noch bestätigen, dass die Untersuchung überhaupt stattgefunden hat. Im Übrigen komme es sehr oft vor, dass Studien nicht veröffentlicht würden. "Sogar in der Mehrzahl der Fälle", heißt es aus der Pressestelle. Viele Studien dienten lediglich der internen Information für die auftraggebende Institution oder das Unternehmen.

Studien im Auftrag der Industrie

Die GfK führt auf ihrer Website eigens einen Button auf, unter dem sie Stellung zum eigenen " Forschungsethos " bezieht. Im Text taucht das Wort "Qualität" auf, jedoch ausdrücklich nicht das Wort "Unabhängigkeit". Stattdessen heißt es: "Die Zukunft – sowohl die der GfK als auch der Branche – hängt wesentlich davon ab, wie sehr wir uns in Kooperation mit unseren Kunden und Partnern dafür einsetzen, die sich bietenden Marktchancen zu erkennen und in Erfolge zu verwandeln."

Inwiefern der Begriff "Ethos" dafür nicht ein wenig irreführend ist, ließe sich fragen. Immerhin werden die Ergebnisse der GfK oft genug verwendet, um politische Vorhaben zu unterstützen oder eine bestimmte Position in der Debatte zu stärken.

Dabei gerät in der öffentlichen Wahrnehmung oft in den Hintergrund, wie Marktforschung eigentlich funktioniert: Die Industrie definiert die Interessen; die Marktforscher sollen die passenden Studien liefern, um die entsprechenden Argumente zu untermauern. Meistens finden die Marktforscher auch das gewünschte Ergebnis, – manchmal, wie im Fall der Downloader, aber wohl auch nicht.