Weswegen sich der zweite Gedanke aufdrängt, dass das Ganze tatsächlich nur ein Start-up sein kann, wie es Max Senges von Google bei der Vorstellung der Pläne nannte. Mehr als 40 Bewerbungen von anderen Einrichtungen habe man bereits, sagte er und gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Institut schnell wachsen werde. Dass diese 40 nicht längst etwas ähnliches auf die Beine gestellt haben, ließe sich allerdings auch durchaus als Blamage für die deutschen Internetforscher interpretieren, wie es der Journalist Philip Banse in seinem Blog tut

Denn entstanden war die Idee dazu tatsächlich bei Google, genauer beim deutschen Management des Konzerns. Die Firma erhofft sich dadurch nicht unbedingt Erkenntnisse, die ihr helfen, Geld zu verdienen. Vielmehr sei man daran interessiert, "wie die deutsche Gesellschaft tickt", sagte Senges. Was insofern verständlich ist, als dass der Konzern immer mal wieder Probleme mit eben dieser Gesellschaft hat und beispielsweise bei Street View verwundert zur Kenntnis nahm, dass die Deutschen bei den Straßenbildern nicht die praktische Seite sahen, sondern sich vor ihnen fürchteten. Und natürlich ist das Ganze auch eine PR-Maßnahme, die nicht zufällig parallel verläuft zum wachsenden, lobbyistischen Engagement des Unternehmens.

Gleichzeitig will Google das Institut als "Beitrag zum Standort" verstanden wissen. Und das, so der dritte Gedanke, könnte er tatsächlich sein. Ein Ort, an dem im Gegensatz beispielsweise zur Bundestags-Enquete-Kommission ohne ideologische und parteitaktische Beweggründe darüber diskutiert wird, was das Internet für die Gesellschaft bedeutet und wie mit seinen Wirkungen umgegangen werden kann.

Das jedoch wird nur gelingen, wenn das "Institut für Internet und Gesellschaft" unabhängig arbeitet. Der Konzern und die beteiligten Forschungseinrichtungen gaben sich denn auch Mühe, diese Unabhängigkeit zu betonen. Google werde sich auf keinen Fall in die Forschung mischen und auch nicht entscheiden, welche Ergebnisse publiziert würden und welche nicht, versicherten alle Beteiligten.

Der Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt sagte in einer Videobotschaft, das Institut werde "völlig unabhängig von Google sein, das ist sehr wichtig". Und HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz sagte, die Kooperationsverträge würden im Senat der Universität offen verhandelt und seien "selbstverständlich öffentlich". Einen exklusiven Zugang zu Daten Googles bekommen die Wissenschaftler nicht, und Google nicht deren Ergebnisse vorab.

Ganz unabhängig ist das Konstrukt dann aber doch nicht. Laut des vorgestellten Organigramms wird das Institut von einem Kuratorium kontrolliert. In diesem sitzen die Präsidenten der wissenschaftlichen Kooperationspartner und ein Mitglied des Förderers, also Google – in Person von Wieland Holfelder, dem Entwicklungschef von Google Deutschland .

Es soll später weitere Mitglieder geben, doch werden sie "im Einvernehmen mit dem Fördervertreter" gewählt, wie Ingolf Pernice sagte, der den Forschungsbereich Internetrecht und Verfassungsrecht verantwortet. Google also hat zumindest ein Vetorecht bei der Besetzung von Kuratoriumsposten.