Software kauft man heute im Internet: Ein Klick auf Download, fertig. Bei Betriebssystemen musste man bislang normalerweise noch in einen Laden gehen oder per Post bestellen: So türmen sich bei langjährigen PC- und Mac-Nutzern üblicherweise die Windows- oder OS-X-DVDs.

Apple, bekannt für den ein oder anderen radikalen Schnitt in der IT-Landschaft, ändert das nun. Lion , die seit Mittwoch verfügbare achte große Version von Mac OS X in zehn Jahren, wird nur noch über den Online-Softwareladen Mac App Store angeboten.

Dank Online-Vertrieb ist der Preis von Lion moderat: 23 Euro 99 sind billiger als alle jüngsten Mac-OS-X - und Windows-Versionen . Das verleitet zum Spontankauf.

Dann heißt es warten: Für die vier Gigabyte braucht es je nach DSL- oder Kabel-Internet-Anschluss eine halbe Stunde bis einen halben Tag. Erst im August will sich Apple all jener erbarmen, die nicht über einen schnellen Internet-Zugang verfügen: Dann kommt die Software auch auf einem (dann natürlich teureren) USB-Stick. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass auf dem Mac bereits das Vorgängerbetriebssystem zu Lion, genannte Snow Leopard, läuft – das enthält den Mac App Store nämlich erst.

Gelungene Funktionen von Mobil-Geräten übernommen

Bei Lion, das eigentlich Mac OS X 10.7 heißt, muss man zunächst wissen, was Apple erreichen wollte: Eine Art Zusammenfassung von iOS, jenem Betriebssystem für iPhone und iPad, und der langsam in die Jahre gekommenen Mac-Plattform. Dabei wurden einige gelungene Funktionen übernommen.

So setzt Lion verstärkt auf die Nutzung von Gesten. Daher bedient man es am besten mit einem Trackpad – eingebaut im Mac-Notebook oder in Form eines Magic Trackpad für das Schreibtisch-Pendant. Wischt man nach oben, bekommt man das Kontrollzentrum, Mission Control genannt, zu sehen. Es erlaubt den Überblick über geöffnete Fenster. Ist man im Safari-Browser, navigiert man mit zwei Fingern nach vorne und nach hinten. Der neue Vollbildmodus, der Programme auf den gesamten Schirm aufzieht, erlaubt wiederum einen Wechsel zwischen einzelnen Apps per Wisch nach rechts und nach links. Zoomgesten vom iPhone finden sich wiederum in Safari: Mit einem Doppel-Tap macht man Bilder größer.

Von iOS abgeschaut ist auch das sogenannte Launchpad. Darin kann man, wenn man das möchte, seine Anwendungen ablegen und sie auf Homescreens platzieren, wie man das ebenfalls von iPhone und iPad kennt. Allerdings ist das nicht besonders übersichtlich. Auch im Mac App Store gekaufte Programme, die Apple nun gegenüber anderen Kaufwegen zu bevorzugen scheint, landen automatisch im Launchpad.