Twitter erlaubt es seinen Nutzern bekanntlich, seine Kurzmitteilungen in relativer Anonymität in die Welt zu versenden. Dennoch lässt sich mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit sagen, welches Geschlecht sich hinter dem einen oder anderen Tweet verbirgt. Die Sprache verrät, ob ein Mann oder eine Frau die Zeile verfasst hat.

Das glauben zumindest John Burger, John Henderson, George Kim und Guido Zarrella. Sie haben ein Programm zur Geschlechtsermittlung von Tweets geschrieben. Vorgestellt haben es die Mitarbeiter des amerikanischen Non-Profit-Instituts MITRE auf der  Conference on Empirical Methods in Natural Language Processing , die vergangene Woche in Edinburgh stattfand.

Unter dem Titel Discriminating Gender on Twitter beschreiben die Forscher, wie es ihnen gelungen ist, in 76 Prozent aller Fälle das richtige Geschlecht von Tweet-Schreiben zu ermitteln, selbst wenn es neben dem eigentlichen Text keinerlei weitere Information über den Autor gab.

Von allgemeinem Interesse ist das Vorgehen der Forscher vor allem, weil sie die Geschlechtsermittlungsarbeit einem Computer überlassen haben. Ihn haben sie anhand einer Vielzahl echter Tweets auf typisch männliche oder typisch weibliche Schreibstile trainiert.

Was Männer und Frauen so tippen

Am Ende spuckte die Software eine lange Reihe von Worten und Wortbestandteilen aus, die statistisch am meisten bei Männern oder Frauen vorkommen. Entlarvend ist demzufolge zum Beispiel die Verwendung des persönlichen Fürworts my . Logisch ist noch, dass ein Mann eher " my wife " schreibt und eine Frau eher " my husband ". Aber in weiblichen Tweets tauchen offensichtlich auch deutlich häufiger die Kombination " my yoghurt " und " my yoga " auf, während bei Männern hinter my eher " zipper " oder " beer " folgen. Außerdem verwenden Frauen deutlich häufiger Smileys oder Ausrufezeichen als Männer. Frauen tippen "haha" und " love " und " feeling " in die Statusleiste. Männer hingegen deutlich öfter "http" und "google".

Ein paar Anwendungsmöglichkeiten für das Programm liegen auf der Hand: Man denke etwa an die vermeintliche Bloggerin " Gay Girl from Damasus ", die zu Syriens bekanntester privaten Schreiberin wurde, nachdem sie über die Revolution in ihrer Heimat berichtet hatte. Dann stellte sich allerdings heraus, dass sich hinter der angeblich lesbischen Bloggerin aus Damaskus ein 40-jähriger Amerikaner mit Wohnsitz in Edinburgh verbarg. Auch die Tage von Männern, die sich als lesbische Frauen ausgeben, um sich so heimlich ans andere Geschlecht heranzuwanzen, könnten gezählt sein.