Im Internet soll eine Datei mit unredigierten und bislang unveröffentlichten US-Botschaftsdepeschen aus der sogenannten Cablegate-Affäre offen zugänglich sein. Das zumindest berichtet die Wochenzeitung Der Freitag . Neben den Daten soll auch das Passwort zu finden sein, um diese Datei zu öffnen.

Bisher haben Wikileaks und seine Medienpartner diese Botschaftsdepeschen immer erst dann veröffentlicht, wenn die darin erwähnten und zitierten Informanten der US-Botschaften anonymisiert worden sind. Die Datei, die Der Freitag entdeckt haben will, soll dagegen Rückschlüsse auf Informanten und mutmaßliche Geheimdienstmitarbeiter zulassen.

Als Beispiel führt die Zeitung einen Iraner an, der in den Depeschen mit den Worten zitiert werde, die Menschen im Iran versuchten stets, "den Anschein zu erwecken, dass sie diesen blöden, verrückten Mullahs folgen". Die Person sei genau beschrieben, also identifizierbar für eben jene Mullahs, heißt es in dem Bericht.

Wichtig ist hier, die Informanten auseinanderzuhalten: Gefährdet wäre durch die veröffentlichte Datei nicht die Person, die diese Dokumente einst Wikileaks zur Verfügung gestellt hat (falls es sich nicht um Bradley Manning handelt). Gefährdet wären Personen, die in den Dokumenten erwähnt und beschrieben werden und vor der Veröffentlichung der Dokumente hätten anonymisiert werden müssen.

Ob die 1,73 Gigabyte große Datei mit dem Namen cables.csv sogar alle 250.000 existierenden Depeschen in unredigierter Fassung enthält, konnte Der Freitag bisher nicht bestätigen. Möglicherweise ist die Datei nicht neu. Mindestens die norwegische Zeitung Aftenposten hatte auf bislang ungeklärtem Weg im vergangenen Dezember sämtliche Cables erhalten. Es könnte sich also bei den nun aufgetauchten Daten um jene handeln, die auch Aftenposten besitzt.

Neu ist jedoch, dass sowohl die Datei als auch das Passwort, mit dem sie geöffnet werden kann, offen im Netz zu finden sind. Der Freitag hat versucht, zu rekonstruieren, wie es dazu kam. Nach seiner Darstellung hat Wikileaks-Gründer Julian Assange das Passwort an eine ungenannte Person seines Vertrauens weitergegeben. Diese Person habe es veröffentlicht, angeblich im Glauben, es handele sich nur um ein temporäres Passwort. Die Zeitung schreibt, das Passwort bestehe aus einer "Phrase" und sei "für Kenner der Materie zu identifizieren".