ZEIT ONLINE: Im nationalen politischen Raum sogar! Das klingt jetzt aber gar nicht nach der Ursprungsidee des Internet. Damals war der Gedanke doch: grenzenloser, freier Datenverkehr für jeden, der einen Computer anschließt. Und Sie haben mal gesagt: Könige, Präsidenten und Wahlen lehnen wir im Internet ab!

Clark: Als wir das Internet entwarfen, hatten wir tatsächlich diese äußerst simplen Einfall: universelle Konnektivität.

ZEIT ONLINE: Sie wollten, dass alle Computer und alle damals schon bestehenden Netze untereinander Daten austauschen konnten.

Clark: Eben. Seither haben viele Leute gefragt: War das als politisches Statement gemeint? Nein! Wir waren damals einfach nicht in der Lage, ein komplizierter konstruiertes Netz in die Welt zu setzen.

ZEIT ONLINE: Wie stehen Sie heute dazu?

Clark: Im Rückblick muss man sich fragen, ob das damals eine gute oder eine schlechte Entscheidung war. Und wenn ich heute Dinge wie Elektrizitätswerke sehe, die am Internet hängen und von jeder Internetadresse dieser Welt Daten geschickt bekommen können, muss ich sagen: Das ist eine ziemlich dumme Idee. Das Netzwerk sollte zumindest in der Lage sein, zu authentifizieren, woher im Einzelfall die Daten kommen und wohin sie gehen.

ZEIT ONLINE: Das Internet soll sicherstellen, dass Sender und Empfänger stets bekannt sind?

Clark: Nein, das meine ich damit nicht. Nicht generell. Im Fall von Elektrizitätswerken sollte es so sein, ja. Auch im Fall einer Bank. Es gibt aber viele andere Beispiele, in denen eine solche Authentifizierung der Benutzer unerwünscht ist; im Gegenteil: Denken Sie an bestimmte Informationsseiten zu Gesundheitsfragen. Solche Dienste würden ja überhaupt nicht mehr funktionieren, wenn jeder seine Identität preisgeben müsste.

ZEIT ONLINE: Aber was denn nun – soll das Internet seine Benutzer authentifizieren, oder soll es ein anonymes Medium sein?

Clark: Wir brauchen beides. Wir müssen den Benutzern des Netzes die Wahl geben. Meiner Meinung nach sollten wir zusätzliche Services in das Netz einbauen, die wahlweise eine sehr gut gemachte Form der Authentifizierung anbieten.

ZEIT ONLINE: Um die zu nutzen, muss man sich dann ausweisen. Surfen mit dem Personalausweis, sozusagen.

Clark: Naja, so stellt es sich die amerikanische Regierung bisweilen vor, es gibt hier solche Vorschläge, dass von einer zentralen Internetstelle Zertifikate ausgegeben werden, mit denen man sich dann im Netz ausweisen kann. Das ist aber lächerlich. Für die meisten Funktionen im Netz reicht es aus, wenn man sich selber ein Identifizierungszertifikat ausstellt und es dann kontinuierlich einsetzt.