ZEIT ONLINE: Das klingt wie ein Votum für die so genannte Pseudonymität im Internet.

Clark: Wenn Sie eine solche digitale Identität kontinuierlich benutzen, werden die anderen Internetbesucher Sie im Lauf der Zeit kennenlernen. Ihnen vertrauen lernen oder auch nicht; das entspricht dem menschlichen Verhalten außerhalb des Internet sehr gut. Wie der Name dieser Person nun im richtigen Leben lautet, ist zweitrangig.

ZEIT ONLINE: Sie meinen, das Internet muss lernen, die Wirklichkeit der Menschen besser abzubilden?

Clark: Ja, aber mir ist klar, dass das eine ziemlich große Herausforderung ist. Das ist ein bisschen so wie die Aufgabe: Schreiben Sie bitte das Rezept dafür auf, wie man einen schönen Tag erlebt.

ZEIT ONLINE: Jetzt sind wir vom Ausgangsthema, der Konstruktionsweise des Internet, ganz schön weit weggekommen...

Clark: Nein, das glaube ich nicht. Wenn wir von der Weiterentwicklung des Internets reden, dreht sich das insbesondere auch um sehr hohe Serviceebenen wie eben die neuen sozialen Netzwerke. Und je mehr solche neuen Funktionen entstehen, beobachten wir auch ganz klar, dass das Internet manch unerwünschte Form der Interaktion befördert.

ZEIT ONLINE: ...so wie Kriminalität, Sabotagemöglichkeiten, Verlust von Privatsphäre und so weiter. Daran ist aber nicht das Internet schuld, das Sie damals entwickelt haben, sondern es sind all diese neuen Dienste, die wir oben drauf stapeln.

Clark: Das ist richtig – aber ich sollte sagen: fast richtig. Wenn wir nun nach Lösungen für einige dieser Probleme suchen, kann es auch Leute geben, die sagen: Wir haben damals die Sache mit den Grundlagen des Internet nicht ganz richtig gemacht.

ZEIT ONLINE: Die fehlende Authentifizierung zum Beispiel, oder der absolut ungehinderte Datenversand über Landesgrenzen hinaus. Daran lässt sich aber ja sowieso nichts mehr ändern.

Clark: Das kommt sehr darauf an. Wenn Sie sich heute einige unternehmensinterne Netzwerke anschauen, da wird zwar die von uns geschaffene Technologie verwendet, aber teilweise erheblich abgeändert. Teilweise gibt es da Restriktionen der nutzbaren Dienste oder des Weiterversands von Daten, und die gehen bis runter an die Basis der Internetdienste. Funktionieren tun diese Netze trotzdem. So etwas kann auch länderweise oder nach Regionen geschehen. Sie können Dienste blockieren, Sie können tief in jedes Datenpaket hineinschauen und bestimmte Arten von Datenverkehr dabei aussortieren.

ZEIT ONLINE: Ja genau. Absolutistische Regimes nutzen solche Techniken.

Clark: Und ich sage auch überhaupt nicht, dass ich dafür bin. Wenn Sie mich aber als Ingenieur fragen, antworte ich: Wenn Sie das wirklich wollen, gibt es Veränderungen in der Funktionsweise des Internet, die können einzelne Länder unilateral vornehmen.