Das Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin ist noch nicht einmal vollständig gegründet, da hat es gleich bei einer der ersten Veranstaltungen seine Unabhängigkeit vom Sponsor Google vorgeführt. Der Gast, den einer der Gründungsdirektoren, Ingolf Pernice vom Walter-Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht an der Humboldt-Universität, eingeladen hatte, übte außergewöhnlich scharfe Kritik an Google und anderen Internetserviceunternehmen.

Jon Callas, Cypherpunk und lange Jahre der oberste Sicherheitsarchitekt des Computerkonzerns Apple, griff vor allem die Datenschutzpolitik von Facebook, Twitter und Google an. Wenn die Internetserviceanbieter so weiter machten, gefährdeten sie am Ende die Innovationsfähigkeit des Internets: "Wenn diese Internetfirmen die Mitglieder ihrer Community, also ihre Nutzer, in Datenschutzfragen nicht sehr schnell ernster nehmen, dann werden diese Nutzer zu denen laufen, die auf sie hören, und das sind die Regierungen. Diese Regierungen sind stärker als alle Internetfirmen," sagte Callas.

Keine schöne Vision, das sagt Callas selbst: Staatskontrolle werde die technologische Entwicklung verlangsamen und kreative Menschen in andere Branchen treiben. "Elefanten zertrampeln das Gras, und Regierungen sind Elefanten", sagte Callas. "Das wäre das Ende des Silicon Valleys, wie wir es kennen."

Dass die "Elefanten" kommen, dafür gibt er Google und Facebook die Schuld. "Der Feedback-Mechanismus zwischen Google und Facebook und ihren Nutzern ist kaputt." Die Firmen gingen an verschiedenen Stellen nicht fair mit ihren Nutzern um, sagte Callas, der zu den führenden Verschlüsselungsexperten gehört und die erste Kryptographie-Software für den privaten Gebrauch, Pretty Good Privacy (PGP), mit entwickelt hat.