Eifersucht ist schmerzhaft, sagt Wikileaks-Gründer Julian Assange und meint damit alle Journalisten, die seine Whistleblower-Plattform angreifen. Jede Organisation könne kritisiert werden, aber nicht basierend auf Falschinformationen. Wer Wikileaks kritisieren wolle, solle vorher gefälligst die Fakten checken.

Angriffslustig wie eh und je präsentierte sich Assange bei der Medienwoche im Rahmen der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Per Videoübertragung war er aus dem Landsitz im Osten Englands zugeschaltet, wo er seit nunmehr 272 Tagen unter Hausarrest steht. Etwa 300 Journalisten saßen in Saal drei des Kongresszentrums ICC, als der Australier seine Keynote vortrug. Titel: Die Zukunft der digitalen Öffentlichkeit – Über Transparenz und was diese für die Welt bedeutet

Spannender als die Rede war aber der zweite Teil der Veranstaltung: Die Moderatorin Melinda Crane durfte Assange als Einzige Fragen stellen – und kam schnell auf die Veröffentlichung der unredigierten US-Botschaftsdepeschen durch Wikileaks zu sprechen. Was folgte, war ein typischer Assange-Auftritt nach dem Muster: Angriff ist die beste Verteidigung.

Wikileaks treffe keinerlei Schuld an der Veröffentlichung des kompletten, unredigierten Datensatzes , sagte er. Dies sei einzig und allein der Fehler von David Leigh, dem Journalisten der britischen Zeitung Guardian , der den Zugang zu den Daten sowie ein Passwort für die verschlüsselte Datei bekommen und dieses in seinem Buch veröffentlicht habe. "Wir haben uns allenfalls schuldig gemacht, weil wir mit dem Guardian zusammen gearbeitet haben", sagte Assange. "Die Entscheidung, alles zu veröffentlichen, war einzig die Entscheidung des Guardian . Man drückt aber keinen Knopf, ohne vorher zu fragen, was dann passiert."

Apropos Fakten checken: Der Guardian behauptet, "die Entscheidung von Julian Assange, alles zu veröffentlichen, war seine, und nur seine." David Leigh beteuert, Assange habe ihm versichert, dass das Passwort nur temporär gültig sei und nach kurzer Zeit verfalle.

Wikileaks, da ist sich Assange sicher, "hätte nichts anders machen können". Die Informationen aus den 251.287 Dokumenten wären sonst möglicherweise überhaupt nicht veröffentlicht worden, sagte Assange. Schließlich habe die US-Regierung im Jahr 2010 eine 120 Mann starke Task Force gebildet, die jede Veröffentlichung der Depeschen verhindern sollte. Und er selbst sei "ins Gefängnis gesteckt" worden.

Die Veröffentlichung der Depeschen durch Wikileaks begann Ende November 2010 . Am 7. Dezember dann wurde Assange verhaftet, weil ein Haftbefehl aus Schweden gegen ihn vorlag.