Mit einem richtigen Club fing alles an. Im Jahr 2005 eröffnete Medienkünstler Naohiro Ukawa einen illegalen Club im Tokyoter Stadtteil Shibuya, den er Mixrooffice nannte. Mehr als drei Jahre lang betrieb der den Club. Mixrooffice sollte damals die reale Antwort auf die virtuellen Communitys in sozialen Netzwerken sein, wie etwa das japanische Mixi .

"Der Begriff der Community, wie wir sie aus der Hippieära der 70er Jahre kennen, hat seine Bedeutung verloren und existiert nur mehr als virtueller Ausdruck im Internet. Der Gemeinschaftsgedanke ist ein reiner Personalisierungsservice", erklärte Ukawa. Mixrooffice sollte der Ort für richtige Kommunikation sein.

Vor acht Jahren hatte er Kunst und Design an der Universität in Kyoto unterrichtet und mit Studenten ein Live-Programm mit den Chatprogrammen iChat und iSight entwickelt. Damals versuchte er, mehrere Live-Sendungen miteinander interagieren zu lassen. Als dann Twitter und das Streaming-Portal UStream starteten, wollte er diese Idee mit einem Ort verbinden: Seit März 2010 gibt es seine virtuelle Gemeinschaft im Club Dommune , eine Anspielung auf commune .

Der Club existiert zwar in einem Keller in Shibuya, in erster Linie aber wird sein Programm über UStream übertragen und per Twitter verbreitet. Auf den Dancefloor passen nicht mehr als 50 Besucher. Online dagegen ist der Andrang groß: Sieben Millionen Mal haben Nutzer bisher die Live-Shows auf der Dommune-Seite bei UStream verfolgt, das Twitter-Profil hat knapp 64.000 Follower.

Ein Club – und keiner geht hin? In Japan sind Aktivitäten wie Live-Paintings oder Talkshows auf UStream sehr beliebt. Die Nutzer wollen zu Hause, ganz wie beim TV, dem Geschehen live beiwohnen. In einem Ballungsraum wie Tokyo wären sie dafür oft zu lange unterwegs. Das Projekt Dommune trägt dem Rechnung: Die Streams sind live und werden nicht aufgezeichnet. Für Ukawa sind sie das neue Fernsehen.

Montags bis donnerstags gibt es zunächst eine zweistündige Talkshow zu verschiedenen popkulturellen Themen. Danach legten DJs bis Mitternacht auf. Eine Talkshow für interessierte Clubber, die ihre Themen abbildet, ist in einem Land ohne offene Diskussionskultur und ziemlich serviceorientierten Medien eine seltene Ausnahme. Ein Vorbild war das mittlerweile eingestellte Magazin Studio Voice . "Den Dialog, der besonders in Studio Voice stattgefunden hat, wollte ich mit einer Talkshow wieder aufleben lassen", erklärt Ukawa.