Mazedonien, der kleine Staat zwischen Albanien, Griechenland, Serbien und Bulgarien, hatte noch vor wenigen Jahren eine lebendige und vielseitige Blogosphäre. Doch eine Serie von nationalistischen Hassbotschaften hat kritische Blogger inzwischen faktisch mundtot gemacht.

Im Jahr 2005 ereignete sich eine Art kambrischer Explosion in der mazedonischen Blogosphäre. Die Blog-Plattform Blogeraj bot erstmals eine mazedonische Nutzeroberfläche und ermöglichte so vielen Mazedoniern das Einrichten eigener Seiten. "Aus einigen Dutzend, wurden so schnell mehrere Tausend Blogger", sagt Filip Stojanovski. Stojanovski bloggt selbst seit knapp zehn Jahren, twittert und verfolgt mit Besorgnis, wie der anfangs lebendige politische Diskurs im Netz zunehmend verstummt.

Grund ist eine neue Art Zensur, die sich in dem Land ausbreitet. Nationalistische Internetnutzer überziehen regierungskritische Blogs mit Beleidigungen und Drohungen. Sie sind nicht zentral gesteuert, jedoch organisiert in sogenannten "Hassgruppen".

Vor allem sexuelle Anspielungen und rassistische Plattitüden dienen als Waffe. So sollen männliche Blogger durch Schwulen-Vergleiche beleidigt werden. Albaner, die die größte Minderheit in dem Vielvölkerstaat stellen, werden als Untermenschen bezeichnet. Überhaupt sind Nazi-Symbolik und Aufrufe zum Völkermord die Regel. Die Flut an Hassbotschaften – manchmal sind es bis zu mehreren Tausend unter einem Post –, ertränkt jeden Versuch einer konstruktiven Diskussion.

In der Konsequenz hören die Leser auf zu kommentieren. Im nächsten Schritt stoppen die Blogger selbst ihre Aktivitäten oder ziehen auf die englischsprachige blogspot-Domain um. Dort werden sie zwar grundsätzlich in Ruhe gelassen, aber dafür kaum noch von mazedonischen Nutzern wahrgenommen.

"Indem sozialer Druck ausgeübt und der Dialog mit den Lesern faktisch beendet wird, können regierungskritische Blogger ohne konkreten Zwang sehr wirksam mundtot gemacht werden", sagt Roberto Belicanec von der Nichtregierungsorganisation Media Development Center.

Am Beispiel Mazedoniens zeigt sich somit: Der Erfolg von Blogs und sozialen Medien führt nicht automatisch zu einer Demokratisierung der Gesellschaft. Jede Technik hat zwei Seiten und in diesem Fall ist die dunkle Seite leider stärker.