"Bitte betet für mich", schrieb eine US-Soldatin an ihre elektronische Gemeinde. Die Frau hatte gerade erfahren, dass sie an gleich zwei Formen von Krebs erkrankt sei. Trost suchte sie bei Jesus Daily , einer der größten Facebook-Gruppen überhaupt.

Tausende Gebete, Fürbitten, Bibelverse, spirituelle Gedichte und religiöse Videos veröffentlichen die Nutzer von Jesus Daily jeden Tag. Die elektronische Gemeinde war laut einer Erhebung von AllFacebook.com mit bis zu vier Millionen Postings, Kommentaren und Gefällt-Mir-Klicks pro Woche zuletzt drei Monate in Folge die aktivste aller Facebook-Gruppen. Selbst die Fans von Teeniestar Justin Bieber konnten da nicht mithalten. Und die Zahl der Jesus-Fans wächst rasant: von 5,5 Millionen im Mai dieses Jahres auf über 10 Millionen Ende Oktober.

Aaron Tabor, 41, von Beruf Diät-Arzt im US-Bundesstaat North Carolina, hatte die Plattform 2009 ins Leben gerufen, um "Menschen Gott näher zu bringen", wie er sagt. Tabor ist überzeugt, dass die Nutzung der Seite Menschen zu besseren Christen machen kann. Die Facebook-Gruppe stärke ihren Glauben und sei für viele ein Quell des Trostes, sagt er. Auch um neue Schäfchen zu gewinnen, taugt seine Community, glaubt Tabor: Ein paar Tausend sollen schon Gott gefunden haben, allein durch den Besuch der Seite.

Der Erfolg von Jesus Daily ist nur ein Beispiel dafür, dass sich religiöse Laien zunehmend vernetzen und damit beginnen, ihren Glauben online auszuleben: Muslimische Podcasts erreichen täglich Tausende Hörer, jüdische Twitter-Feeds haben fünfstellige Follower-Zahlen und spezifisch religiöse Portale verzeichnen kontinuierliche Zuwächse. So wie GodTube.com , ein US-amerikanisches Online-Videoportal, das aussieht wie YouTube, aber ausschließlich gottgefällige Filme vorhält. Eine Million aktive registrierte Nutzer hat die werbefinanzierte Seite nach Angaben der Betreiber.

Bei GodTube gibt es Videos zu beinah allen Bereichen des Glaubens und des Lebens als Christ, von Mitschnitten der heiligen Messe bis zur "familienfreundlichen christlichen Comedy". Wer Gottes Videokanal besucht, kann Talkshows sehen, in denen Fragen erörtert werden, wie: "Wie schütze ich mich vor Hexerei?" – Kreationisten liefern angebliche Beweise gegen die Evolutionstheorie, Apokalyptiker stellen ihre privaten Endzeitvisionen vor. Auch mit anderen Glaubensgemeinschaften setzt man sich auseinander, allerdings nicht immer sehr freundlich. Ein professionell produzierter Film etwa warnt eindringlich vor der Islamisierung Europas und den USA.