ZEIT ONLINE: Ein Thema, das insbesondere die deutsche Community auf die Palme bringt, ist der geplante Bildfilter, mit dem Wikipedia-Nutzer bestimmte Inhalte der Wikimedia Commons ausblenden können. Sie waren am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in Hannover. Zum Thema Bildfilter sagten Sie dort sinngemäß "Ich bin doch hier und höre euch zu – das ist ja wohl Grund genug für euch, euren Tonfall zu mäßigen". Ist das alles, was Sie zu dem Thema derzeit anzubieten haben?

Gardner: Der Stiftungsrat hat mich beauftragt, den Bildfilter zu installieren. Daraufhin habe ich unter den Wikipedia-Gemeinschaften ein Referendum organisiert, das in der Mehrheit eine vorsichtige Zustimmung zeigte, bei vielen aber auch sehr eindeutige Ablehnung. Danach gab es in der deutschen Community eine eigene Abstimmung mit vielen Teilnehmern, die klar gezeigt hat, dass die Deutschen den Filter ablehnen. Also habe ich noch mal mit dem Stiftungsrat geredet. Wir haben beschlossen, dass es erstens keinen Filter geben wird, für den alle Bilder in Kategorien eingeordnet werden müssen. Zweitens werde ich keinen Filter gegen den erklärten Willen der deutschen Community installieren. Das wäre einfach respektlos.

Bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Hannover hat die deutsche Community beschlossen, den Stiftungsrat aufzufordern, noch einmal über den Filter nachzudenken. Aber bis der seine Anweisungen an mich ändert, bin ich dafür verantwortlich, einen Bildfilter entwickeln zu lassen. Ich muss also die Quadratur des Kreises schaffen: einen Filter entwickeln, den die deutsche Community akzeptiert und der den Anforderungen des Stiftungsrats entspricht. Das wird nicht einfach, aber das ist nun mal meine Aufgabe. Was ich bei der Mitgliederversammlung in Hannover aber sagen wollte, war: So soll es laufen – auch wenn es niemandem Spaß macht, auch wenn es Menschen verärgert. Wir wollen uns gegenseitig zuhören und unsere Positionen so lange justieren, bis wir uns einigen.