Das seit Wochen von einer Flut geplagte Thailand hat einen neuen Helden. Er ist klein, orange und hat kein Gesicht. Trotzdem erreicht er Millionen. Der Knilch ist Hauptdarsteller in den Animations-Videos von Roo Su Flood! ("Kenne die Flut und bekämpfe sie!"). In den Videos wird erklärt, wie es zu der Naturkatastrophe kommen konnte, was nun zu tun ist und wie die Bevölkerung sich schützen kann. Die sechs bislang existierenden Episoden wurden auf YouTube bereits mehr als eine Millionen Mal angeklickt.

Die Ratschläge des Computermännchens haben sich auch über Twitter und Facebook rasch verbreitet. Der Star aus Roo Su Flood! könnte der Social-Media-Fluthilfe ein Gesicht verleihen – wenn er denn eines hätte.

Das Projekt, von zwei 26-Jährigen in Eigeninitiative gestartet, wird mittlerweile sogar von den thailändischen Behörden unterstützt. Die Regierung ist für den orangefarbenen Helden dankbar. Denn sie hat es bisher nicht geschafft, die Menschen so unmittelbar zu erreichen.

Viele Bewohner verlassen sich inzwischen lieber auf die Informationen aus sozialen Netzwerken und Blogs als auf die offiziellen Wasserstandsmeldungen der Behörden zu warten.

Richard Barrow würde auch als Held taugen. Der Blogger aus Bangkok wehrt Interviewanfragen aber höflich ab. "Es mag komisch klingen, aber ich möchte lieber nicht so bekannt werden", teilt der Brite per E-Mail mit. Dabei ist er das eigentlich schon: Auf Twitter folgen ihm fast 16.000 Menschen, auf Facebook sind es 2.000. Sein Blog Thai Travel News wird unter anderem von CNN und dem Wall Street Journal empfohlen.

Während der Flut ist Barrow zu einer Institution in Bangkok geworden. Sein Tweet zählt. Die Roo Su Flood!-Videos hat er als einer der ersten geteilt, und wenn er sich auf sein Fahrrad schwingt und durch die thailändische Hauptstadt radelt, wissen seine Follower hinterher aus erster Hand, wo es noch trocken ist. Für Urlauber hat Barrow auf einer Google-Karte alle Attraktionen in Bangkok markiert, die derzeit geschlossen sind. Auf eine solche Übersicht von der Tourismusbehörde wartet man immer noch vergeblich.

Was Richard Barrow kann, will Paige Prescott auch können. "1993 habe ich mich im Peacecorps in der Dominikanischen Republik engagiert", sagt die 41-Jährige Lehrerin. "Damals konnten wir nur Briefe schreiben und telefonieren. Heute scheinen die Möglichkeiten grenzenlos."