Der Blackout sei "unverantwortlich", heißt es da, weil die Nutzer der heute gesperrten Websites bestraft und zu Bauernopfern gemacht würden. Die Aktionen seien sogar "ein Machtmissbrauch", zumal die Internetfirmen Falschinformationen über den Inhalt der Gesetzentwürfe verbreiten würden. Dodd hofft, dass das Weiße Haus und der US-Kongress die Unternehmen zum Stopp der Proteste aufrufen und dann weiter gegen "Piraterie" im Netz vorgehen.

Immer wieder betonen die Vertreter und Lobbyisten der Film- und Musikindustrie sowie Befürworter im Kongress, SOPA und PIPA richteten sich nur gegen die illegale Verbreitung von geschützten Inhalten und schützten damit Industriezweige und Arbeitsplätze in den USA . Dass Elemente der Entwürfe – wie zum Beispiel die zunächst vorgesehenen DNS-Sperren – aber die Einführung einer Infrastruktur zur Zensur des Internets bedeuten würden, die später ausgeweitet werden könnte, verstehen sie offenbar nicht.

SOPA ist keinesfalls vom Tisch

Diesen Konflikt gab es in Deutschland auch, als die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen unbedingt Internetsperren zum Kampf gegen Kinderpornographie einführen wollte. Auch damals argumentierten sie und ihre Unterstützer wiederholt, niemand könne doch ernsthaft etwas gegen ihre Ziele haben, während die Gegner der Netzsperren den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur schon allein deshalb verhindern wollten, weil sie später auch auf andere Inhalte hätte angewendet werden können.

Die Autoren von SOPA und PIPA haben mittlerweile zwar angekündigt, die Entwürfe zu entschärfen. Das dürfte auch an der ablehnenden Haltung des Weißen Hauses gelegen haben. Aber vom Tisch sind die Gesetze noch nicht. Im Februar will der republikanische Kongressabgeordnete und SOPA-Erfinder Lamar Smith erneut über seinen Entwurf debattieren .