Google-Suche wird semantischer

Google arbeitet an einer neuen Generation seiner Suchmaschine. Sie werde die bislang größten Änderungen an der Google-Suche überhaupt mit sich bringen, meldet das Wall Street Journal . Bereits in den nächsten Monaten sollen sich dadurch erste Suchergebnisse von Google spürbar verändern.

Antworten geben, statt nur Webseiten finden, das ist das Ziel der bislang größten Veränderung der Suche. Laut Wall Street Journal wird Google damit beginnen, Suchanfragen nicht nur mit einer Liste von passenden Websites zu beantworten, sondern im Kopf der Seite mehr und mehr Fakten und komplette Antworten gleich selbst zu liefern.

Diese "semantische Suche" soll die Bedeutung von Suchanfragen besser verstehen als die aktuell verwendete Technik. Google hat dazu in den vergangenen Jahren Daten zu Menschen, Plätzen und Dingen gesammelt, die zunehmend in die Suche einfließen sollen. Das soll helfen, Verbindungen zwischen Begriffen herzustellen, beispielsweise zwischen der Firma Google und ihren Gründern Larry Page und Sergey Brin .

Dabei nutzt Google auch das 2010 gekaufte Unternehmen Metaweb und dessen Freebase .

Erste semantische Funktionen in den kommenden Monaten

Erste Funktionen dieser Initiative hin zur semantischen Suche sollen in den kommenden Monaten in die Suchmaschine integriert werden. Wer nach dem " Bodensee " sucht, soll dann beispielsweise auch Attribute angezeigt bekommen wie dessen geografische Lage, seine Tiefe, die Durchschnittstemperatur oder den Salzgehalt des Wassers.

Auch für komplexe Fragen wie "Was sind die 10 größten Seen in Kalifornien " könnte Google eine komplette Antwort liefern, statt nur Links zu anderen Seiten. Wer nach einem Autor sucht, könnte eine Liste von dessen Büchern und ähnlichen Autoren angezeigt bekommen. Und Google könnte auch Bücher zum Kauf empfehlen.

Zwar bietet Google schon heute semantische Funktionen in kleinem Umfang, diese seien aber mit dem geplanten Umbau kaum vergleichbar, berichtet die Zeitung.

Stärkere Position gegenüber Facebook

Semantische Suchmaschinen gibt es bereits, beispielsweise das Projekt Wolfram Alpha . Sonderlich erfolgreich sind sie nicht , da sie Probleme haben, bestimmte Unterschiede zu verstehen. So weiß eine Suchmaschine normalerweise nicht, ob jemand, der "Jaguar" eingibt, das Tier oder die Automarke meint. Google könnte versuchen, diese Frage mithilfe seines Wissens über den Suchenden und seine Vorlieben zu beantworten.

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Die Änderungen könnten Auswirkungen auf viele Websites haben, vor allem auf solche, die sich heute darauf verlassen, Antworten auf häufig bei Google gesuchte Fragen zu liefern.

Die Umstellung von der aktuellen Schlagwort-Suche hin zu einer eher semantischen Suche werde aber Jahre dauern, zitiert die Zeitung den Chef der Google-Suche Amit Singhal.

Ziel des Projektes ist es, Googles Wettbewerbsposition gegenüber Microsoft , aber auch gegenüber Facebook zu stärken. Und es soll dazu führen, dass Nutzer länger auf den Seiten von Google verweilen. Zudem könnte die semantische Suche Google helfen, relevantere Anzeigen einzublenden.

Offiziell wollte der Konzern keinen Kommentar gegenüber dem Wall Street Journal abgeben. Die Zeitung zitierte jedoch eine mit der Sache vertraute Person, die angab, dass die Änderungen zehn bis 20 Prozent aller Suchanfragen betreffen könnten. Das wären immerhin mehrere Milliarden Suchanfragen pro Monat.

Der Text erschienbei golem.de.