Wer einen Pizzaservice anruft und danach auf dem Ziffernblock desselben Telefons nur ein paar andere Zahlen drückt, landet damit möglicherweise beim Anschluss eines Tierquälers.

Schockierend? Nein, Blödsinn. So ist das halt mit diesen Telefonen: Man tippt ein paar Zahlen und bekommt eine Verbindung – andere Zahlen ergeben eine andere Verbindung. Doch wenn man Telefon durch Internet ersetzt, könnte so ein Satz in jedem deutschen Leitmedium als Nachricht auftauchen: "Nur wenige Mausklicks" von einer harmlosen Seite entfernt liegen schlimme, kriminelle Angebote.

Der Mausklick, wie wir ihn kennen, ist mittlerweile fast 40 Jahre alt , der Hyperlink im World Wide Web nun auch schon mehr als 20 Jahre . Aber noch immer haben viele Menschen etwas nicht verstanden: Ein Mausklick ist keine Entfernung!

Und selbst wenn es eine wäre, dann wäre sie genauso lang wie ein Tastendruck auf der Fernbedienung für den Fernseher. Auch da ist, spätestens ab 22 Uhr, eine harmlose Dokumentation "nur einen Tastendruck" von einem Ballerfilm "entfernt". Trotzdem ist das niemandem eine Erwähnung wert.

Dank Multitouch, Gesten - und Sprachsteuerung oder auch Eye Tracking verliert die Maus bereits wieder an Bedeutung. Können wir also bitte langsam damit aufhören, diese vermeintliche Nähe von Links als Sinnbild einer Gefahr im Internet darzustellen?

Und wenn wir schon dabei sind: Der Satzbaustein "per Mausklick" gehört ebenfalls entsorgt. Zum Beispiel in solchen Fällen: "Trotzdem kann man solchen Horror ohne Probleme kaufen – per Mausklick auf Amazons Marketplace." So stand es in der Spiegel -Ausgabe der vorvergangenen Woche. Warum? Die Aussage wäre ohne diesen "Mausklick" die gleiche gewesen. Auch hier geht es nur um die gefährliche Nähe. Denn inhaltlich sagt der Satz lediglich: "Per Druck auf ein Eingabegerät gelangt man auf Amazons Marketplace."

Der durchschnittliche Büromensch betätigt seine Maus grob geschätzt 5.000 Mal – pro Tag. Wie oft er dabei wohl denkt: "Wahnsinn, was so ein Mausklick bewirkt"?

Knapp 34 Millionen Mal findet Google die Kombination "per Mausklick", 844 Mal davon bei ZEIT ONLINE .

Bitte, liebe Kollegen und alle anderen, die irgendetwas mit Wörtern machen: Hören Sie auf, dem Mausklick zu huldigen, als sei er ein grausamer Rachegott. Hören Sie auf, so zu tun, als sei die gesamte Straße gefährlich, nur weil es neben dem Spielzeugladen auch einen Sexshop und ein Automatenkasino gibt.

Denn wenn wir jahrzehntealte, längst alltägliche Computertechnik weiterhin als etwas so Riskantes darstellen, werden nachfolgende Generationen uns beim Thema Internet noch weniger ernst nehmen, als sie es ohnehin schon tun. Und zwar zu Recht.